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Kategorie: Bücherwald (Seite 1 von 7)

Rezensionen von Büchern über Natur und Jagd, überwiegend aus der Rubrik Bücherwald im Magazin Halali

Tod im Nebelwald

Irgendwo tief im Westerwald, in den 60er Jahren, wo die Menschen Ernte23 rauchen und Automobile vom Typ DKW Mungo fahren. Wo sie gelernt haben, „mit den Steinen zu leben, mit undankbarem Boden und mit schweren Zeiten, die kein Ende nahmen.“ So formuliert es Äffchen Fettweiß an einer Stelle, der Wirt der Gaststätte „Zum grünen Baum“, die in diesem Krimi eine zentrale Rolle spielt. Genauso wie das Duo aus Kommissar Rottek, dem einzigen Protagonisten des Romans mit halbwegs glücklichem Liebesleben, und Hauptwachtmeister Kesselring, dessen Sorge mehr seinen gackernden Kleinen Niederrheinern gilt als den laufenden Ermittlungen.  

Zeit, Ort und Personen hat Autor Lutz G. Wetzel bereits 2018 in „Tod im Waldwinkel“ eingeführt. Dabei war der Jägerstammtisch natürlich schon da keine neue Erfindung: Im „Grünen Baum“ spielte über viele Jahre die Kolumne „Wetzels Landleben“ in der Wild und Hund. Wer diese ebenso satirischen wie kurzweiligen Geschichten mit ihren karikaturhaft überzeichneten Figuren mochte, wird die Krimis des Journalisten und Dokumentarfilmers lieben. Schlachter Ahrens und Heimo vom Kunstdüngerschuppen kommen zwar nicht darin vor, wohl aber reichlich schäumende Humpen und Doppelte vom Alten Lohhäuser. 

Vor allem wird gemordet, was das Zeug hält. Gleich zu Anfang stirbt die Apothekergattin Siebenstern im Frisiersalon, und der erste Verdacht fällt auf Friseur Rimini. Allerdings folgt der bald in der Reihe der Toten, die damit noch lange nicht endet. Nur wer ist der Täter? Mordet hier wirklich der durchgeknallte Bürgermeister Ingo Dingens, und zwar aus Hass auf Jäger? Oder ist es Vater Kerschbaum mit seinen sechs Söhnen, über deren kriminelle Machenschaften es viele Gerüchte gibt? Und welche Rolle spielt der dicke Düsseldorfer Schrotthändler Popel Troost, der mit allen Mitteln das Jagdrevier des Apothekers übernehmen will und nie ohne seinen dümmlichen Adlatus Männel auftaucht?

Die Aufklärung ist am Ende nicht besonders verzwickt, soviel sei verraten, und sie gelingt eher zufällig. Die beiden Ermittler haben daran jedenfalls den geringsten Anteil.

Lutz G. Wetzel: Tod im Nebelwald. Krieg im Revier – das Dorf schläft nie, erschienen 2021 im Franckh-Kosmos Verlag, 240 Seiten, Broschur, 20,00 Euro

Das Jagdgebrauchshundewesen

Anlässlich des 120jährigen Bestehens des Jagdgebrauchshundverbandes e. V. (JGHV) hat Heinrich Uhde seine zuerst zum 100jährigen Bestehen erschienene Monographie bis in die Gegenwart fortgeschrieben. Eine solche Standortbestimmung ist, darauf weisen mehrere Grußworte hin, heute wichtiger denn je. Denn einerseits muss sich das Hundewesen (wie die Jagd insgesamt) gegen Kritik positionieren und rechtfertigen, andererseits wandeln sich die Aufgaben mit dem Wandel von Landschaft und Wildbeständen.

Das erste Kapitel des voluminösen Werks zeichnet die Geschichte des organisierten Jagdgebrauchshundwesens seit Mitte des 19. Jahrhunderts nach, wobei der Fokus stark auf handelnde Akteure gerichtet ist und weniger auf kynologische Erkenntnisfortschritte oder Wandlungsprozesse im Hundewesen. Das zweite Kapitel befasst sich mit den Jagdhunden, angefangen bei den einzelnen Rassen über die Biologie der Hunde bis zu den Grundlagen von Zucht und Haltung. Das dritte Kapitel beschreibt die Hundeausbildung in Theorie und Praxis und das vierte das Prüfungswesen des JGHV und der angeschlossenen Zuchtvereine. Kapitel über den Hund im Recht und in der Kunst runden das Buch ab.

Der Verlag bewirbt es als „Lehrbuch, Nachschlagewerk und Chronik in einem“. Das ist vielleicht nicht falsch, birgt aber ein Problem: Das Buch ist eine Monographie, geschrieben zwar von einem zweifellos erfahrenen, kompetenten und leidenschaftlichen Autor, einem der das Gebrauchshundwesen wie kaum ein zweiter kennt – der aber selbst ab 1971 Präsident des JGHV war und seit 1986 dessen Ehrenpräsident ist. Ein derart in den Gegenstand involvierter Autor kann beim besten Willen nicht neutral sein und auch abweichende Standpunkte gleichwertig darstellen. Das will bei der durchaus empfehlenswerten Lektüre bedacht sein, zumal Heinrich Uhde weder Quellen nennt noch Literaturangaben macht (ein Manko, dass er übrigens selbst benennt). 

Heinrich Uhde: Das Jagdgebrauchshundwesen. 120 Jahre JGHV, 3. Auflage 2020, Verlag Neumann-Neudamm, 416 Seiten gebunden, 49,90 Euro

Jagd mit Schalldämpfer

Noch vor wenigen Jahren galten Schalldämpfer als Teufelszeug. Als Waffenteil für Geheimagenten, Auftragsmörder und Wilderer, aber nicht für waidgerechte Jägersleut‘. Das hatte viel mit dem Festhalten am Gewohnten und wenig mit sachlichen Gründen zu tun, außerdem mit Unkenntnis und falschen Vorstellungen von der Wirkungsweise. Jäger, Verbände, Behörden und Gesetzgeber dachten offensichtlich an das leise Ploppen der Walther PPK, mit der James Bond 1962 Dr. No jagte.

Dass sich dies geändert hat, ist auch Autoren wie Christian Neitzel zu verdanken. In zahlreichen Beiträgen zu Jagdzeitschriften hat der Mediziner, Jäger und Waffensachverständige schon früh mit den Mythen und Vorurteilen aufgeräumt. Schalldämpfer schützen nicht nur vor Gehörschäden, sondern verringern auch Mündungsfeuer und Rückstoß und führen zu besseren Schussleistungen (und zwar der Waffe und des Schützen!). Als Neitzel sein profundes Fachwissen 2014 erstmalig zu einer – damals noch im Selbstverlag publizierten – Monografie zusammenfasste, waren Schalldämpfer bei der Jagd nur in schwierig zu begründenden Ausnahmefällen erlaubt. Heute sind sie (fast) selbstverständlich.

Jetzt ist das Buch in einer aktualisierten, deutlich erweiterten und informativ bebilderten Neuausgabe erschienen. Sämtliche Aspekte werden ausführlich abgehandelt, angefangen bei physikalischen und medizinischen Grundlagen über Konstruktions- und Wirkungsprinzipien bis zu Pflege und Jagdpraxis. Es dürfte auf lange Sicht das Standardwerk zum Thema bleiben. Und bei aller Sachlichkeit ist das Buch nicht zuletzt auch ein engagiertes Plädoyer für die Jagd mit Schalldämpfer.

Christian Neitzel: Jagd mit Schalldämpfer. Grundlagen, Technik und Praxis, 2021, Gräfe und Unzer Verlag (BLV), 304 Seiten gebunden, 29,00 Euro

Geologie & Landschaft

Bildbände zur Geologie und Landschaftsentstehung gelten gemeinhin nicht unbedingt als unterhaltsam – außer vielleicht für Geologen. Laien hingegen können Fotos von Vögeln, Blümchen oder Insekten mehr abgewinnen. Ein Coffee Table Book voller Geschiebemergel und Torf ist eigentlich unvorstellbar.

Aber genau das haben Rolf und Matthias Reinicke nun vorgelegt. Dem „Altmeister“ der Mineralogie und Geologie des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Autor zahlreicher populärer Sachbücher, und seinem Sohn, der als Grafikdesigner in Kanada lebt, ist das Kunststück gelungen, die Entstehung und Formung der Landschaften im heutigen Mecklenburg-Vorpommern auf ebenso informative wie lehrreiche und unterhaltsame Weise darzustellen. Inge Reinicke hat Zeichnungen beigetragen und das Buch sorgfältig lektoriert.

Mit zahlreichen Karten, detailreichen Fotos, großformatigen Luftaufnahmen, didaktischen Grafiken und kurzen, sehr prägnanten Texten werden die eiszeitlichen Formungen der Landschaft eindrücklich dargestellt, also etwa Grundmoränenlandschaften, Seen oder Binnendünen. Und auch die Entwicklungen bis in die Gegenwart werden nachgezeichnet, wie die Entstehung großflächiger Niedermoore oder die fortwährende Veränderung der Küsten. Es geht weiterhin um einzelne Geotope, um Rohstoffe und deren Gewinnung und zuletzt auch um die Geowissenschaften im Land.

Beschreibungen und Adressen von geologischen Sammlungen, Ausstellungen und Informationszentren im Land Mecklenburg-Vorpommern beschließen den Band, der durchaus auch als eine Art Reiseführer zu Geologie & Landschaft gelesen werden kann. Er ist sicher nicht für professionelle Geologen gemacht, aber auch die dürften Freude daran haben.

Rolf und Matthias Reinicke, Geologie & Landschaft Mecklenburg-Vorpommern, Demmler Verlag 2021, 176 Seiten gebunden, 29,95 Euro

Nicht um die Ecke!

Vorab zur Erläuterung: Ich bespreche regelmäßig auch Kinderbücher. Jetzt wurde meine Rezension des Buches „Nicht um die Ecke!“ von einer Redaktion abgelehnt. Nicht dass mein Text für schlecht befunden worden wäre, zu lang oder zu kurz oder verspätet eingereicht. Vielmehr sah die Redaktion die im Buch beschriebene „Grenzüberschreitung des Kindes“ kritisch und will das Buch deswegen nicht ihren Leserinnen und Lesern empfehlen. 

Ich bin mit der „Rappelkiste“ und Michel aus Lönneberga aufgewachsen, von Pippi Langstrumpf und Neills „Grüner Wolke“ gar nicht zu reden. Bücher voller Grenzüberschreitungen. Mich entsetzt der Gedanke, Kinderbücher als Disziplinierungsinstrumente anzusehen – und nicht als phantastische Abenteuerspielplätze, in denen vieles ganz anders ist als in der Welt der Erwachsenen.

Anstelle der Indizierung oder Vernichtung verdächtiger Druckerzeugnisse schlage ich vor, künftig folgenden Warnhinweis auf Kinderbücher zu drucken: 

Parental advisory: This Book contains sequences of disobedience

Und weil das Buch so schön grenzüberschreitend ist, empfehle ich es ganz ausdrücklich und veröffentliche hier meine Rezension:

Nicht um die Ecke!

Emma ist mit ihrer Mama und dem Dreirad im Park. Sie ist voller Tatendrang, aber Mama sitzt nur auf der Bank und schaut auf ihr Handy. „Du fährst nicht um die Ecke!“, mahnt sie noch. Eine Situation, die wohl viele Kinder kennen. Emma langweilt sich, aber schon bald machen ihre Füße, was sie wollen, treten in die Pedale, der Wind weht ihr ins Gesicht, bunte Blätter wirbeln auf – und ehe sie sich’s versieht, ist Emma schon um die Ecke verschwunden. Dort ist es wirklich spannend: Affen klettern in die Bäume, Schiffe fahren übers weite Meer, Pferde springen umher. Oder bildet sie sich das alles nur ein? Sind es nur geheimnisvolle Schatten auf der Mauer? Egal, „Um die Ecke“ gibt es jedenfalls Abenteuer, wie nur Kinder sie erleben können.

Die Illustrationen sind so eindrücklich, dass kleine und große Betrachterinnen und Betrachter unmittelbar teilhaben an den Entdeckungen, die Emma macht. Autor und Illustrator Dirk Steinhöfel zeigt die Welt durch Emmas Augen und ihre grenzenlose Phantasie. Steinhöfel ging erst andere berufliche (Um)Wege, bevor er sich 2003 selbständig machte. Seine zahlreichen Kinderbücher zeichnen sich durch eine ganz eigene Ästhetik aus: Es sind dreidimensionale, am Computer entworfene Bilderwelten mit starker Ausdruckskraft und wenigen Worten. Das Buch wird empfohlen für Kinder ab 4 Jahren.

Dirk Steinhöfel: Nicht um die Ecke, FISCHER Sauerländer Verlag 2018, 48 Seiten gebunden, 14,99 Euro, ISBN 978-3-7373-5531-5

Weitere Informationen und eine Leseprobe
finden Sie auf den Seiten des Verlags.

Emotionen bei Hunden

Ob nun der Mensch den Hund domestiziert hat oder der Hund den Menschen, oder ob sich beide in einem Prozess der Koevolution zu jenen Wesen entwickelt haben, die sie heute sind, sei hier dahingestellt. Richtig ist aber ohne Zweifel, dass beide zu erstaunlichen Verstandesleistungen fähig sind, und zu tiefen Emotionen. Wo Mensch und Hund einander verstehen, etwa auf der Jagd, sind sie engste Partner und unschlagbare Gespanne. Aber dieses Verständnis ist nicht selbst-verständlich, selbst erfahrene Hundemenschen missdeuten gelegentlich ihre Vierläufer. 

Ein jetzt erschienenes Buch soll hier Abhilfe schaffen: die „Blickschule“ von Katja Krauß und Gabi Maue. Es enthält mehr als 1300 Standfotos und Bildsequenzen von Hunden in unterschiedlichen Konstellationen und Situationen, versehen mit detaillierten Erläuterungen und Hinweisen. Der erste Teil zeigt die einzelnen Körperteile beim Ausdrucksverhalten; der zweite befasst sich mit Kommunikationssignalen wie etwa Züngeln, Abwenden oder Gähnen; und der dritte fokussiert die unterschiedlichen Emotionen, also beispielsweise Angst, Wut oder Freude. In Art und Umfang ist solch ein Werk noch nicht dagewesen, und man kann den Kynos Verlag für seinen verlegerischen Mut nur beglückwünschen (in 2021 erscheint noch ein zugehöriges Arbeitsbuch mit Fragen und Aufgaben). 

Aber wo viel Licht ist, fallen auch Schatten: Es sind ganz überwiegend Fotos der Hunde der beiden Autorinnen, sehr unterschiedliche Rassen zwar, kleine und große, lang- und kurzhaarige, Reinrassige und Mischlinge. Aber jagdlich geführte oder andere Gebrauchshunde sind nicht darunter, schon gar nicht im Einsatz. Mitunter erkennt auch der wohlwollende Betrachter hinter dem wuseligen Etwas nicht die in der Bildunterschrift verheißene Emotion. Die Autorinnen selbst sprechen einleitend von „Schnappschüssen“, und das bezeichnet viele der Bilder recht gut. Der geradezu gebetsmühlenartige Verweis auf die Tellington-Trainingsmethode, die beide Autorinnen praktizieren, verleiht dem Text stellenweise den Charme einer Werbebroschüre. 

Katja Krauß und Gabi Maue: Emotionen bei Hunden sehen lernen. Eine Blickschule, erschienen 2020 im Kynos Verlag, gebunden 624 Seiten, 59,95 Euro

Winterwald

Wer an Tiere und Pflanzen des Waldes denkt, hat wohl nicht als erstes Winterbilder im Kopf. Wahrscheinlicher sind Bilder der grünen Fülle, Bilder von Frühling und Sommer oder auch Bilder der Jagd im Herbstlaub. Aber das wird der kalten Jahreszeit nicht gerecht: Im Winter ist der Wald zwar stiller und offener, aber unbelebter ist er natürlich nicht. Die Pflanzen folgen ihren Überlebensstrategien, und gerade im weißen Gewand finden sich allenthalben Spuren der oft gar nicht so heimlichen Waldbewohner.  

Deswegen richtet Ekkehard Ophoven seinen Blick auf den Winterwald. Der Autor stammt aus einem Jägerhaushalt, ist selbst passionierter Jäger, studierte Forstwissenschaften, verantwortet seit vielen Jahren das Jagdbuch-Programm im Kosmos-Verlag und hat auch selbst das eine oder andere Fachbuch verfasst. In zwanzig Kapiteln widmet er sich den Waldbewohnern, angefangen bei Bäumen und Pilzen über Rotwild, Wildschweine und Eichhörnchen bis zu Spechten und Habichten. Darin wechseln sich stimmungsvolle oder anekdotische Erzähl-Passagen und grundlegende (wild)biologische Beschreibungen zu den jeweiligen Arten ab. Es gelingt Ophoven ausgezeichnet, die Jägersprache für Nicht-Jäger zu übersetzen, ohne dabei oberlehrerhaft oder prätentiös daherzukommen.

Auch die überwiegend naturalistischen Aquarelle der französischen Illustratorin Sandra Lefrançois fangen die Stimmung im Winterwald wunderbar ein. Gleichwohl ist das nicht nur ein Buch für lange Leseabende am Kamin. Für Menschen mit grünem Abitur bietet es zwar wenig Neues, aber eine Wissensauffrischung auf unterhaltsame Art. Für alle anderen ist es ein prima Einstieg in die Biologie des Waldes, zumal die Beschreibungen weit über die winterlichen Besonderheiten hinausgehen.

Ekkehard Ophoven: Winterwald. Begegnungen mit Tieren und Pflanzen in der stillen Jahreszeit, erschienen 2020 im Franckh-Kosmos Verlag, 256 Seiten, gebunden, 36,00 Euro

Die Flinte

In fast keinem Jägerschrank dürfte die Flinte fehlen. Abgesehen von kombinierten Waffen ist sie sicher das vielseitigste Jagdgewehr: Mit Schrot geht es auf Fuchs und Taube, Hase und Fasan, in anderen Ländern auch auf Rehwild. Und mit „der Brenneke“ im Lauf brachten die Flintenjäger der DDR alles Schalenwild zur Strecke. Weil diese Kombination kaum fehleranfällig ist und durchschlagend im eigentlichen Sinne, schwört heute so mancher Nachsuchenführer darauf. Außerdem ist die Flinte bei Sportschützen beliebt, Trap und Skeet sind olympische Disziplinen.

Mit der jetzt vorliegenden Monografie hat Norbert Klups seine vierbändige Edition der beliebtesten Jagdwaffen abgeschlossen (Band I: Drilling, II: Doppelbüchse, III: Repetierer). Von der Geschichte der Schrotwaffen über Schlosse und Verschlüsse, Läufe und Schäfte, Bauarten und Konstruktionsmerkmale, Kaliber und Patronen bis zu Pflege und Gebrauchtwaffenkauf lässt der bekannte Fachautor und Schießtrainer keinen wichtigen Aspekt aus. Auch einige Kuriositäten aus der Geschichte des Flintenbaus werden vorgestellt, etwa die Becker-Selbstladeflinte aus den 20er Jahren mit ihrem markanten Trommelmagazin für 5 Patronen. Das großformatige Buch ist insgesamt informativ und – wie schon die anderen drei Bände der Reihe – reich und ästhetisch bebildert.

Für Liebhaber exklusiver Modelle ist die Beschränkung auf „große“ Flintenhersteller im entsprechenden Kapitel nicht wirklich nachvollziehbar. Denn „Größe“ bemisst sich hier an der Betriebsgröße und an Absatzzahlen. Folglich kommen kleine Edelschmieden wie beispielsweise Purdey nicht darin vor, wohl aber manch ein Hersteller kostengünstiger Fabrikflinten aus Kunststoff und Druckguss. Wer den Band als „unverzichtbares Nachschlagewerk“ nutzen möchte, wie die Verlagswerbung ihn preist, wird vielleicht ein Schlagwortregister für den leichteren Zugriff vermissen.

Norbert Klups: Die Flinte, erschienen 2020 im Heel Verlag, 240 Seiten, Großformat gebunden im Schuber, 49,95 Euro

Praxishandbuch Jagd

Im fortgeschrittenen Internet-Zeitalter gehört schon einiges an verlegerischem Mut dazu, ein über 650 Seiten starkes Handbuch der Jagd aufzulegen. Stolze 2389 Gramm bringt das gute Stück auf die Küchenwaage. Viele Verlage haben sich zuletzt aus dem Jagdsegment zurückgezogen, denn die stetig wachsende Jägerschaft ist keine wachsende Leserschaft. Jagdliteratur ist nicht mehr lukrativ. Umso lobenswerter ist es, dass man bei Kosmos – einem der letzten größeren Verlage, die noch ein umfangreiches Jagdprogramm bieten – offensichtlich gegen den Strom schwimmt und das Standardwerk „Praxishandbuch Jagd“ nicht nur lieferbar hält, sondern eine vollständig überarbeitete Neuausgabe besorgt hat. 

Als Herausgeber firmieren weiterhin Walter Bachmann und Rolf Roosen, die redaktionelle Bearbeitung lag in den Händen von Ekkehard Ophoven. Unter den Mitarbeitern sind namhafte Autoren wie Friedrich K. von Eggeling oder Herbert Kalchreuter. Der reich bebilderte Text ist in fünf Teile gegliedert (Das Wild, Das Revier, Die Jagd, Die Jagdhunde und Die Jagdtrophäen) und jeweils thematisch in mehrere Kapitel und zahlreiche Unterkapitel aufgeteilt. Laut Eigenwerbung enthält das Buch „alles, was Jagdscheinanwärter, Jungjäger und ‚alte Hasen‘ über Wild, Hege und Jagdpraxis wissen müssen.“

Tatsächlich lässt sich im „Praxishandbuch Jagd“ unterhaltsam und gewinnbringend schmökern, auch wenn die Gewichtung der Jagdtrophäen als eigenständiger Teil etwas anachronistisch anmutet. Es ist aber ohnehin weder ein Lehrbuch zur gezielten Vorbereitung auf die Jägerprüfung noch ein „echtes“ Nachschlagewerk von A bis Z. Wer sich intensiver mit einem der vielen Themen befassen will, wird nicht umhinkommen, zur Fachliteratur zu greifen. 

Walter Bachmann und Rolf Roosen (Hrsg.): Praxishandbuch Jagd. Ein Nachschlagewerk für Jägerinnen und Jäger, erschienen 2020 im Franckh-Kosmos Verlag, 656 Seiten, 68,00 Euro

Er ist da

Im Jahr 2000 wurden auf dem Territorium der Bundesrepublik Deutschland die ersten Welpen gewölft. Bis dahin galt der Wolf hierzulande als ausgerottet, abgesehen von gelegentlichen Grenzgängern, die in aller Regel sofort zur Strecke gebracht wurden und kaum weitere Erwähnung fanden. Keine 20 Jahre später, im Monitoringjahr 2018/19, sind 105 Rudel bestätigt, dazu 25 Paare und 13 sesshafte Einzelwölfe. Als streng geschützte Art ohne natürliche Feinde vermehrt sich der Wolf exponentiell. Insofern ist der Titel ebenso einfach wie sachlich richtig: Er ist da.

Und der Titel ist Programm. Es ist Klaus Hackländers erklärter Anspruch, die mitunter erbittert geführte Debatte um das Ob und Wie der Wiederansiedlung des großen Raubtiers zu versachlichen. Der Inhaber des Lehrstuhls für Wildtierbiologie und Jagdwirtschaft an der Universität für Bodenkultur Wien schlägt sich weder auf die Seite der Wolfskuschler noch auf die der Dämonisierer. Er stellt und beantwortet insgesamt 40 Fragen, etwa „Was ist ein geeigneter Lebensraum für Wölfe?“, „Führt der Wolf zum Aussterben von Wildtierarten?“ oder „Was kostet der Wolf?“. Seine Antworten sind gut recherchiert und wissenschaftlich fundiert, aber sie werden nicht jedem schmecken.

Zum Beispiel die Antwort auf die Frage, ob die Jagd ein gutes Mittel ist, um Schäden an Nutztieren zu verhindern: Ja, lautet sie, aber nur dann, wenn sie sehr intensiv und ausdauernd betrieben werde. Die Geschichte zeige, dass Wölfe verschwinden, wo sie konsequent verfolgt werden. Aber solch eine Verfolgung sei in Europa nicht mehrheitsfähig und also keine Option. Eine selektive Einzelbejagung, wie sie beispielsweise in Slowenien praktiziert werde, bringe dagegen keine merklichen Effekte. Und diverse wissenschaftliche Untersuchungen bestätigten, dass Einzelabschüsse kein probates Mittel zum Schutz von Nutztieren seien, sondern möglicherweise die Probleme noch verschärfen könnten. 

Klaus Hackländer: Er ist da. Der Wolf kehrt zurück, erschienen 2020 im Ecowin-Verlag, 224 Seiten, 24,00 Euro

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