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Monat: Januar 2021

Paludikultur – Landwirtschaft im Moor

Die Renaturierung land- und forstwirtschaftlich genutzter Moore ist vielerorts erklärter Wille. Für den Klimaschutz ist das ein effizientes Mittel, birgt aber auch erhebliches Konfliktpotenzial. Deswegen forschen Wissenschaftler an neuen Formen der nassen Landwirtschaft. Nicht absehbar sind die Folgen für Wild und Jagd, wie HALALI-Autor Dr. Volker Pesch beschreibt.

Das Ding erinnert an die Pistenraupe aus dem letzten Skiurlaub. Und das ist kein Zufall: es ist eine Pistenraupe. Zumindest ist das Fahrzeug dereinst zu diesem Zweck hergestellt worden. Es wäre also keiner besonderen Erwähnung wert, befänden wir uns nicht im Peenetal, in Mecklenburg-Vorpommern, im äußersten Nordosten der Republik. Der letzte nennenswerte Schneefall liegt hier bald zehn Jahre zurück, und das Land ist flach wie die Flundern in der nahen Ostsee. Skipisten werden hier auch in absehbarer Zukunft nicht angelegt. 

Die Raupe arbeitet sich vielmehr durch eine mit Schilf bestandene Wasserfläche. Sie ist zum Erntefahrzeug mit Spezialketten aus Gummi und einem Häckselwerk umgebaut worden. Bei sämtlichen Herstellern von Erntetechnik fand sich keine geeignete Maschine, denn die Ernte von Schilf ist nicht nur hierzulande eher ein Nischengewerk. Schilf wird nahezu ausschließlich als traditionelles Material zum Dachdecken genutzt. Deswegen wird es üblicherweise auch nicht als landwirtschaftliche Kultur angebaut, sondern nach Bedarf in natürlichen Beständen am Rand von Gewässern geschnitten.

Aber das könnte sich bald ändern. Denn Schilf kann mehr. Die Fasern der bis zu 4 Metern hohen Stengel binden Lehmputz und dienen als Rohstoffe von natürlichen Dämm- und Bauplatten. Und gehäckselter Schilf liefert hochwertige Biomasse zur Energiegewinnung. Hier, im Peenetal, wird praktisch erprobt, was Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis ist: Der Anbau von Schilf kann wirtschaftlich durchaus ertragreich sein. Das Stichwort, mit dem sich solcherart Hoffnungen verbinden, lautet „Paludikultur“. […]

Lesen Sie den gesamten Artikel in HALALI Nr. 1/2021 ab S. 114.

Hanebüchen

Im Beitrag „Jäger*innen“ im Magazin JÄGER Nr. 1/2021 (S. 32-34) sorgt sich Florian Asche um die Waidmannssprache. Dass dieser Autor kein Leisetreter ist, habe ich schon an anderer Stelle bemerkt (siehe Paranoia der Medien). Diesmal spricht er anlässlich eines ministeriellen Schreibens, in dem das Sternchen-Symbol als geschlechtsneutrale Pluralform genutzt wird, allen Ernstes von einem „Sprachputsch“ des „linksalternativen Establishments von Linken bis zur CDU“. Und unter Verweis auf den Duden droht er dem Verfasser, einem Sachbearbeiter, eine Dienstaufsichtsbeschwerde an. 

Man muss kein Freund des Gender-Sternchens sein, um diesen Beitrag hanebüchen zu finden. Gibt es beim JÄGER keine redaktionelle Prüfung eingesandter Manuskripte? 

Zur Sache sei in aller Kürze angemerkt: 
1. Deutsch ist eine lebende Sprache. Sie verändert sich mit der Kultur, in der sie gesprochen wird. Sprache bildet Wirklichkeiten ab und schafft sie fortlaufend über Begriffe, Denk- und Auslegungsmuster.
2. Der Duden schreibt die deutsche Sprache nicht vor. Er notiert lediglich deren Entwicklung. Sollte sich das Gender-Sternchen durchsetzen, wird es dereinst auch im Duden stehen.
3. Die deutsche Sprache hat sich in einer männerdominierten Kultur entwickelt. Die Hälfte der Menschen – nämlich die Frauen – werden darin in vielerlei Hinsicht nicht abgebildet, unter anderem in der allgemeinen Pluralbildung.
4. Gleiches trifft auch für jene Menschen zu, die sich keinem der beiden Geschlechter zuordnen lassen. 
5. Heute sind Frauen gleichberechtigt und in allen Lebensbereichen präsent, und auch Menschen mit anderen Geschlechtsidentitäten müssen sich nicht mehr schamvoll verstecken. Diese Veränderung unserer Kultur ist zuletzt rasant verlaufen – vielleicht so rasant, dass manch einer nicht mitgekommen ist.
6. Über die Form der geschlechtsneutralen Pluralbildung können und sollten wir sachlich streiten, zumal die derzeit praktizierten Formen allesamt recht sperrig sind: Sternchen, Unterstrich, Binnen-I oder auch das angehängte X lassen sich weder flüssig schreiben noch sprechen. Wirklich geschlechtsneutral und zugleich sprachlich schön wäre vielleicht eine dritte, ganz neue Pluralform, etwa ein an den Wortstamm gefügtes „-es“, wie wir es von eingedeutschten lateinischen Wörtern kennen (z.B. „Doktores“).

Wenn in ministeriellen Schreiben Gender-Sternchen genutzt werden, ist das also ganz sicher kein Grund zur Sorge. Das Amtsdeutsch war ohnehin nie für sprachliche Schönheit bekannt. Die deutsche Sprache bleibt lebendig und wird ebenso weiterleben wie die Waidmannssprache. Der Untergang des Abendlandes bleibt wieder einmal aus. 

© 2021 Dr. Volker Pesch

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