Texter | Journalist | Schriftsteller

Autor: Volker Pesch (Seite 1 von 13)

Das unterschätzte Tier

Menschen und Tiere haben vielfältige Berührungspunkte: Wir lieben unsere Haustiere, halten Nutztiere, schützen und jagen Wildtiere, bekämpfen Kleinsäuger oder Wirbellose, die wir als Schädlinge definieren. Auch indirekt wirkt sich die menschliche Nutzung von Wasser, Land und Luftraum auf die Lebenswelten der Tiere aus. Das mag für unbedenklich halten, wer das biblische „Macht euch die Erde untertan!“ als universellen Freibrief versteht, oder wer Tieren kurzerhand jede Fähigkeit abspricht, Emotionen zu empfinden. Aber in den vergangenen Jahrzehnten hat die Wissenschaft unzweifelhafte Belege dafür geliefert, dass Tiere durchaus differenziert fühlen und zielführend denken können. Der bekannte Verhaltensbiologie Norbert Sachser spricht zurecht von einer „Revolution des Tierbilds“ und begründet das in seinem 2018 erschienen Buch „Der Mensch im Tier“. 

Gemeinsam mit zwei Fachkollegen hat er jetzt einen Sammelband herausgegeben, der den Stand des Wissens und der Forschung zeigt. Hervorgegangen ist das Kompendium aus einer interdisziplinären Veranstaltungsreihe an der Uni Münster. In den einzelnen Beiträgen bearbeiten Fachleute das Thema unter anderem aus Sicht der Ethologie, Tierpathologie, Biologie und Zoologie, auch Disziplinen wie Theologie, Philosophie, Rechts- und Kunstwissenschaft kommen zu Wort. Und sie formulieren Konsequenzen, die das neue Bild der Tiere für unser Handeln haben sollte. Dabei geht es um Wohl und Leid der Tiere, um ihre Würde und Rechte, um Schutz und Haltung. Man wird vielleicht nicht jeder Schlussfolgerung in diesem Band zustimmen können, aber die Auseinandersetzung mit den Argumenten ist dringend notwendig und ganz sicher keine Zeitverschwendung.

Norbert Sachser, Niklas Kästner, Tobias Zimmermann (Hrsg.): Das unterschätzte Tier. Was wir heute über Tiere wissen und im Umgang mit ihnen besser machen müssen, Hamburg 2022, Rowohlt Verlag, Taschenbuch 224 Seiten, 14,00 Euro

Was die Dörfer einst zusammenhielt

Siegel Dörfer

Ulrike Siegel verdanken wir das Genre der Bauerntöchter-Geschichten. Am Anfang stand ihre erfolgreiche Trilogie mit autobiografischen Erzählungen. Und weil man Wellen reiten muss, solange sie nicht gebrochen sind, folgten unter anderem Geschichten von Frauen, die Höfe verlassen, und solchen, die in Höfe eingeheiratet haben, außerdem wandelten Bauerntöchter auf den Spuren ihrer Mütter. Auch prominente Bauernkinder fanden sich schon zwischen zwei Buchdeckeln wieder. 

Jetzt hat Ulrike Siegel ein Buch herausgegeben, in dem 19 Frauen und Männer Geschichten aus ihrer Kindheit in den 1950er- und 60er-Jahren erzählen. Es sind Spitzlichter auf eine dörfliche Heimat zwischen Bayern und Schleswig-Holstein, Sachsen und Nordrhein-Westphalen. Ganz subjektive Erinnerungen an Personen, Rollenmuster und Gewohnheiten, an Strukturen und Prozesse, an Arbeits- und Lebenswelten auf dem Lande. Das Buch leistet keine systematische Darstellung der Dorfkultur, aber aus der Summe der Einzelerzählungen erwächst ein Gesamtbild eines Lebens „zwischen Idylle, Enge und Engagement“ (Klappentext).

Die Beiträge sind überwiegend lesenswert und unterhaltsam, beschwören Bilder und Erinnerungen herauf und machen deutlich, wie radikal sich der ländliche Raum in nur wenigen Jahrzehnten gewandelt hat. Naturgemäß tappen einige der Autorinnen und Autoren in die „Früher-war-alles-besser“-Falle, wie sollte es auch anders sein, wenn man Menschen nach ihrer Kindheit befragt. Es ist schließlich kein historisches Sachbuch. Aber man hätte sich doch eine zusammenfassende Einordnung, eine Art Synthese gewünscht.

Ulrike Siegel: Was die Dörfer einst zusammenhielt. Gesichter und Geschichten aus einer vergangenen Zeit, LV.Buch 2022, 224 Seiten Broschur, 18,00 Euro

Vogelstimmen

Bei vielen Menschen, die noch nicht das gesetzliche Rentenalter erreicht haben, dürften zunächst alle Alarmglocken klingeln, wenn sie die Zuschreibung „bekannter Vogelstimmen-Imitator“ hören. Angesichts funktionierender Bestimmungs-Apps und vielfältiger Audio-Angebote der digitalen Medien wirkt das irgendwie aus der Zeit gefallen. Womöglich entsteht vor dem inneren Auge ein Bild, das an Heinz Erhardt oder den ersten Bohnenkaffee nach dem Krieg erinnert. Aber wer Uwe Westphal auf der Bühne erlebt, wird schnell eines Besseren belehrt: Der Biologe, ehemals hauptamtliche Naturschützer und Redakteur einer ornithologischen Fachzeitschrift versteht es wirklich, sein Auditorium mit einem Mix aus Stimmen-Imitationen, sachlichen Informationen und Anekdoten aus der Vogelwelt zu faszinieren. 

Jetzt hat er ein neues Buch geschrieben, dessen Titel etwas irreführend ist. Denn es geht darin nicht nur um Vogelstimmen, sondern vielmehr um die Darstellung verschiedener Waldlebensräume. Westphal nimmt seine Leser*innen mit auf 16 Exkursionen rund ums Jahr, etwa in einen „Fichtenforst im Januar“ oder „Eichenwald im Oktober“. Dabei nähert er sich dem Habitat jeweils über die wahrgenommenen Gesänge und Rufe charakteristischer Vogelarten und beschreibt dann die dort typische Pflanzen-Tier-Pilz-Gemeinschaft. Zwei Kapitel über den historischen Wandel „Vom Wald zum Forst – und zurück?“ bzw. zur Gefährdungssituation der Waldvögel runden das Buch ab.

Natürlich kann die Darstellung auf 184 Seiten, auf denen außerdem noch zahlreiche naturalistische Illustrationen von Heidi Janicek ihren Platz gefunden haben, nicht abschließend und umfassend sein. Aber der Autor liefert noch zusätzliche Informationen in farblich hervorgehobenen Kästen, zum Beispiel über den Wald-Wild-Konflikt. Dabei ist ihm eine weitestgehend ausgewogene Darstellung gelungen.

Uwe Westphal: Vogelstimmen in Wald und Hecke, Vögel, Bäume, Sträucher – entdecken und verstehen, 2022, pala-Verlag, 184 Seiten, Hardcover, 24,90 Euro

Mit Jägers Blick

Die Idee zum Buch, so schreibt die Autorin im Vorwort, ist es, die Atmosphäre der Jagdhütte ins heimische Wohnzimmer zu holen. Die Stimmung nach der Jagd, wenn das Kaminfeuer prasselt, wenn deftige Würste und Schnaps auf den Tisch und die Waidmänner ins Erzählen kommen. Denn viele ihrer Geschichten seien es Wert, erzählt zu werden und nicht hinter den verschlossenen Türen der Hütte zu verbleiben. Deswegen hat die Journalistin und Autorin Iris Schaper einige Jäger nach besonderen oder ungewöhnlichen Jagderlebnissen befragt und daraus insgesamt 18 kurzweilige Erzählungen gemacht. Der Großteil der stimmungsvollen Fotos stammt von Naturfotograf und Autor Jürgen Borris. Abgerundet wird der Bildband durch Wildrezepte und einige illustrative Zitate zur Jagd.

Die Erzählungen handeln von Pirsch, Ansitz oder Treibjagd, von mutigen Jagdhunden, von der Jagd auf Rothirsch, Keiler oder Ente, von Erlebnissen mit Behörden oder anderen Jägern. Es sind klassische Jagderzählungen darunter, Erlebnisse und Erinnerungen an besondere Situationen oder Trophäen, anekdotische Geschichten zum Schmunzeln und auch durchaus kritische Anmerkungen. Seeben Arjes beispielsweise erzählt nachdenklich von einem dicken Auslandsjäger, dem das Feiern wichtiger war als der waidgerechte Schuss.

Die Rezepte in diesem Coffee Table Book klingen gut – allerdings fragt sich der geneigte Leser, in welcher Jagdhütte Gerichte wie „Rehrücken mit Wirsingkohl und Steinpilzen“ oder „Nutriakeule mit gebackenen Süßkartoffeln“ gereicht werden.

Jürgen Borris und Iris Schaper: Mit Jägers Blick. Erzählungen & Impressionen, Müller Rüschlikon Verlag 2019, 159 Seiten gebunden, 29,90 Euro

Das Schweigen der Frösche

Nicht erst seit der Pandemie ist eine allgemeine Hinwendung zur Natur zu verzeichnen. Zumindest in jenen (westlichen) Ländern, deren Landsleute in besonderem Maße zur Klima- und Artenkrise beitragen. Das zeigt sich auch in einem regelrechten Boom der Naturführer und Sachbücher über Insekten und Vögel, Wald und Wiese. Da krabbeln die Käfer, tirilieren die Vögel und brummen die Bäume, dass es die reinste Freude ist – nicht nur die Freude des Buchhandels. In aller Regel sind es Autorinnen und Autoren, die von außen auf die Natur schauen, sachkundig erläuternd in Feld und Flur oder schöpfend aus der Fülle der Fachliteratur.

Pauline de Bok geht anders vor. Wie schon „Blankow oder Das Verlangen nach Heimat“, eine Art Reisereportage in die Vergangenheit, und „Beute“, eine Reise ins Innerste der jagenden Autorin, hat sie auch ihr neues Buch als teilnehmende Beobachtung angelegt. Wieder hat sie sich in ihren mehr oder weniger zum Wohnhaus umgebauten Stall irgendwo in Mecklenburg zurückgezogen, dessen genaue Lage übrigens immer noch nicht verraten wird. Für de Bok ist der Ort zur „zweiten Heimat“ geworden. Umso mehr schmerzt sie die drohende Ausweisung, denn als Niederländische Staatsbürgerin darf sie während des ersten Lockdowns eigentlich gar nicht dort sein. Nur gut, dass ihr Auto mit dem gelben Kennzeichen defekt in einer Kfz-Werkstatt steht, was sie noch enger an den Ort bindet.

Aber das ist nur ein Nebenthema des Buches. De Bok beobachtet die Natur um sie herum, als „Tier unter Tieren“ oder „Menschentier“, das mit dem Ort „verwachsen“ ist. Sie sieht sich als Glied in der Nahrungskette, als Teil des Biotops, in dem sie gärtnert, sammelt und jagt, Wild beobachtet, einen Teich anlegt, Waschbären fängt (und isst!). Sie beschreibt ihr alltägliches Tun, reflektiert sich selbst und große Fragen wie die nach dem Recht zu töten, ohne dabei pathetisch zu werden. Auch Prädatorenregulation und Drückjagden werden kritisch hinterfragt (aber nicht abgelehnt). Und de Bok thematisiert immer wieder Klimawandel und Artensterben, die sich vielfältig in der nur scheinbar heilen Idylle des Hinterlands zeigen. Ein sehr berührendes Buch, auch wenn die Übersetzung an einigen wenigen Stellen fachlich schwächelt, etwa wenn eine Ricke mit ihrem „Kälbchen“ beschrieben wird.

Pauline de Bok: Das Schweigen der Frösche. Oder die Kunst, die Natur zu belauschen, C.H. Beck Verlag 2022, 320 Seiten gebunden, 24,00 Euro

Das große Buch vom Vogelzug

Vogelzug BuchNicht nur für Hobby-Birdwatcher ist der Zug der Vögel ebenso faszinierend wie geheimnisvoll. Manches wissen auch die Fachleute noch nicht, anderes wird dank moderner telemetrischer und molekularbiologischer Methoden nach und nach bekannt und verstanden. Angefangen bei der Frage, warum die Vögel überhaupt ziehen, warum sie Jahr um Jahr von ihren Brutgebieten in die Winterquartiere und zurück fliegen, mitunter Tausende Kilometer über Gebirge, Meere und Wüsten; über Fragen wie die, woran sich Zugvögel orientieren, mit welchen Sinnen sie navigieren, wie auch Jungvögel ohne Führung durch die Elternteile diese Reise meistern; bis hin zu Fragen über die Auswirkungen von Wetter, Klimawandel und Artensterben. 

Franz Bairlein hat jetzt eine wirklich „umfassende Gesamtdarstellung“ des Vogelzugs vorgelegt. Kaum jemand verfügte über größere Expertise zu diesem Thema als der vielfach geehrte und ausgezeichnete ehemalige Direktor des Instituts für Vogelforschung „Vogelwarte Helgoland“ in Wilhelmshaven und heutige Fellow am Max Planck Institut für Verhaltensbiologie in Radolfzell. Seit seiner Promotion im Jahr 1980 war und ist die Vogelzugforschung sein Forschungsschwerpunkt. Und damit ist auch das einzige Manko dieses Buches benannt: Der Mann weiß zu viel.

Aber das wird ernsthaft nur bemängeln, wer leichte Nachtlektüre sucht. Wer sich dagegen verlässlich über den Vogelzug informieren will, hält mit diesem Werk die derzeit umfassendste und übrigens auch für Laien gut lesbare Gesamtdarstellung des weltweiten Vogelzuges in der Hand. Auf mehr als 350 Seiten stellt Bairlein systematisch dar, was es zum Thema darzustellen gibt, illustriert und verdeutlicht durch unzählige Grafiken und Fotos. Ein umfassendes Stichwortregister ermöglicht die Nutzung als Nachschlagewerk.

Franz Bairlein: Das große Buch vom Vogelzug. Eine umfassende Gesamtdarstellung, Aula Verlag 2022, 368 Seiten gebunden, 49,95 Euro

Endlich Jäger

Jungjäger scheinen nach wie vor eine lesende Zielgruppe zu sein. Das jedenfalls muss denken, wer einmal spaßeshalber die Begriffe „Buch“ und „Jungjäger“ in die Internet-Suchmaschine eingibt. Die Liste der einschlägigen Titel ist erstaunlich lang, ganz offensichtlich gibt es einen Markt für „Jungjägerguides“ und „Jäger-Knigges“. Wer also schon ganz kulturpessimistisch befürchtet hat, der jagende Nachwuchs tummele sich heute ausschließlich in Social-Media-Kanälen und auf den Blogs junger Jagdinfluencer*innen, darf wieder hoffen.

Für das hier angezeigte Buch haben sich vier Jägerinnen und Jäger zusammengetan und jeweils ein Kapitel beigesteuert: Alexander Losert, Sportschütze, Schießlehrer und Fachautor, befasst sich mit dem Handwerkszeug des Jägers, angefangen bei der Büchse über blanke Waffen und Zubehör bis zur Waffenaufbewahrung und zum Gebrauchtwaffenkauf. Johannes Maidhof, jagdlicher Autor und Produkttester sowie ehrenamtlicher Naturschützer, schreibt über Zielfernrohre, Nachtsicht- und Wärmebildtechnik sowie über die Blattjagd, außerdem versammelt er abschließend noch einige kurze Statements, beispielsweise zum Brauchtum. Michel Lauer, Ausbildungsleiter einer Jagdschule, thematisiert Jagdarten und jagdliche Einrichtungen sowie Öffentlichkeitsarbeit und den Umgang mit Jagdkritik. Und Carola Rathjens, Jagdautorin und Hundeführerin mit agrarwissenschaftlichem Mastertitel, steuert das Thema „Jagdhunde“ bei und macht sich außerdem noch kurz Gedanken über Frauen auf der Jagd, jagdliche Kontakte, die Grundausstattung des Jägers und die Arbeit nach dem Schuss.

Jedes der reich bebilderten Kapitel beginnt mit „10 Fragen an …“ und endet mit einem Porträt des Autors bzw. der Autorin. Aber damit sind die systematischen Gemeinsamkeiten schon erschöpft. Wenn auch im Einzelnen viel Lesenswertes im Buch steht und es ganz sicher kein Schaden für den Jungjäger und die Jungjägerin ist, es zu lesen, so wirken die vier Kapitel insgesamt etwas zufällig zusammengestellt. Warum beispielsweise Optik und Blattjagd in einem Kapitel zusammengefasst sind, oder „Jäger und ihre Hunde“ und „Frauen bei der Jagd“, erschließt sich dem geneigten Rezensenten nicht. 

Alexander Losert, Johannes Maidhof, Carola Rathjens, Michel Lauer: Endlich Jäger! Und nun?, Verlag Müller-Rüschlikon 2021, 191 Seiten gebunden, 24,90 Euro

Die falschen Feuer von Thiessow

Eine Erzählung von Volker Pesch

Google Maps Rügen

in: Karin Braun und Gabriele Haefs (Hrsg.), Piratengeflüster, Hamburg 2022, S. 333-347

Seit er denken konnte, hatte er dem Vater geholfen. Hatte winters Netze geknüpft, für die alte Reuse in der Wiek und den kleinen Heuer, mit dem sie auf dem Rügischen Bodden fischten, solange kein Eis war oder schwerer Sturm. Hatte mit ihm Planken über Wasserdampf gebogen und die rotbraunen Segel geloht mit der stinkenden Brühe aus Eichenrinde, Leinöl und Wurzelteer. Immer und immer wieder, Jahr um Jahr, bis das Baumwolltuch brüchig war und sich neues gefunden hatte, als günstiger Kauf oder angespült am Oststrand. Hatte mit der Ahle und gewachstem Garn Pützeimer und Persenninge aus den alten Fetzen genäht, und im flackernden Licht der Kerzen Leinen gespleißt als Festmacher, Schoten und Falle. Alles, was er konnte, hatte Krischan Kaldevitz vom Vater gelernt, hier in dem windschiefen Holzschuppen hoch über der See.

Aber heute war etwas anders als sonst … (Lesen Sie hier die ganze Erzählung).

Neu: Im Peenetal

Ein Hinweis vorab: „Im Peenetal“, mein neues Buch, ist kein Reiseführer im engeren Sinne. Die Reportagen und Erkundungen nehmen hier ihren Ausgang und finden ihre Themen; Aber was ich über Natur- und Artenschutz schreibe, über Umwelt und Landschaft, Sing-, Greif- und Wasservögel, Amphibien und Insekten, Schutz und Nutzung – das gilt natürlich überall. Mit anderen Worten: Leserinnen und Leser müssen weder das Peenetal kennen noch eine Reise dorthin unternehmen, um das Buch mit Gewinn und Genuss lesen zu können!

Der bekannte Ornithologe Hans-Heiner Bergmann schreibt über das Buch in „Der Falke – Journal für Vogelbeobachter“ (11-2022): „Wer die ‚Wanderungen durch die Mark Brandenburg‘ von Theodor Fontane gelesen hat, wird sich manchmal erinnert fühlen … Der Autor hat als Journalist sorgfältig recherchiert … Als Ergebnis ist ein (…) Sachbuch entstanden, das in unterhaltsamen Tönen viel Information präsentiert … Wer jedoch ins Gebiet (d.i.: das Peenetal) reist, sollte vorher das Buch lesen, auch um die Geschichte und das gegenwärtige Gesicht der Landschaft zu verstehen.“

 

Aus dem Vorwort:

Im Peenetal

Vor ein paar Jahren sah ich im ersten Licht eines gar nicht so schönen Morgens meinen ersten Peenebiber. Gemeinsam mit einer Handvoll anderer Frühaufsteher hatte ich mich am Bootsanleger des Örtchens Stolpe eingefunden, um unter sachkundiger Führung mit dem Solarboot in den Sonnenaufgang zu gleiten. Anschließend sollte ich darüber schreiben, so war es besprochen mit Redaktion und Veranstalter. Und obwohl die Sonne die ihr zugedachte Rolle nur bedingt spielte und ich meine Fotos in einem langfadigen Nieselregen machen musste, wurden meine Erwartungen an die Tour weit übertroffen: Wir sahen nicht nur den Biber aus nächster Nähe, sondern beobachteten auch Eisvögel bei der Jagd und lauschten dem eigenwilligen Gesang eines Rohrschwirls.

Ich war nicht zum ersten Mal im Peenetal. Aber erst an diesem verregneten Morgen ist mir richtig klar geworden, wie einzigartig es hier ist – und zwar jenseits von Postkartenkitsch. Seitdem bin ich immer wieder hergekommen, morgens und abends, zu allen Jahreszeiten, mit Fernglas und Notizblock, allein oder in Begleitung. Ich habe neue Pfade gesucht und alte Orte erkundet, Pflanzen und Tiere beobachtet, mir nasse Füße und einen trockenen Mund geholt. […] Und mittlerweile schreibe ich nicht nur darüber, sondern führe gelegentlich selbst Besucher durch das Peenetal.

Zu meinen Führungen gehört immer auch, den Blick zu lenken auf die vielfältigen Spuren der Nutzung. Wer es nicht gesagt bekommt, wird in der krautigen Sumpflandschaft wohl kaum den alten Torfstich erkennen, und im weiten See nicht die intensiv bewirtschaftete Wiese, die hier noch vor drei Jahrzehnten lag. Das Peenetal ist alles andere als „Wildnis“ oder „unberührte Natur“. Es ist nicht nur geformt vom Eis der letzten Kaltzeit, sondern auch und vor allem von Menschenhand.

Letztere hat viel zerstört, aber seit einigen Jahren macht sie vieles wieder wett. Was wir heute im Verlauf der Peene sehen und erleben können, ist zu weiten Teilen Folge eines ambitionierten Naturschutzprojektes. Das ist großartig und ungeheuer spannend mitzuerleben. Aber machen wie uns nichts vor: Gleich hinter dem Talrand beginnen die artenarmen Raps- und Maisfelder der konventionellen Landwirtschaft. Und auch der Klimawandel macht keinen Bogen um das Peenetal.

[…]

Kein vernunftbegabter Mensch kann das noch leugnen. Dennoch leben wir so, als gäbe es die Probleme nicht. Unbeirrbar halten wir an unserer Lebensweise fest, die Energie, Rohstoffe und Flächen verbraucht, als ließen sich neue herbeizaubern. Und wir reden uns ein, das Problem werde sich dank Windkraft, Lastenfahrrädern und veganer Ernährung lösen. Also durch technische Innovationen und ohne echten Verzicht. Das ist natürlich Unsinn, und im Grund wissen das auch alle. Wir sind wie Kinder, die sich beim Versteckspiel die Augen zuhalten und glauben, deswegen nicht gefunden zu werden.

Doch dieses Buch soll niemandem die Laune verderben. Ich möchte weder Salz in Wunden streuen noch den moralischen Zeigefinger heben, sondern den Fokus auf diese einzigartige Landschaft richten und meine Begeisterung weitergeben. Dass es auch ein Plädoyer für den Schutz des Peenetals und seiner Flora und Fauna geworden ist, liegt in der Natur der Sache. Aber zuerst und vor allem ist das Buch eine Liebeserklärung, eine Liebeserklärung in Reportagen und Erkundungen.

Der thematische Bogen reicht von der Entstehung der Landschaft über die vielfältigen Formen ihrer Nutzung bis zu den laufenden Renaturierungsprojekten. Ich lenke die Aufmerksamkeit auf Pflanzen und Tiere, angefangen bei Torf zersetzenden Bakterien und endend bei Seeadlern und Kranichen. Schmetterlinge nehme ich in den Blick, Frösche, Kormorane und nicht zuletzt die Singvögel. Auch wenn es kein systematisches Sachbuch ist, so vermitteln die einzelnen Kapitel doch ein Gesamtbild des Peenetals, und das auf unterhaltsame Art – das denke und hoffe ich jedenfalls. […]

 

„Eine Liebeserklärung an das Peenetal
mit seinen wunderbaren Pflanzen und Tieren.
Eine Liebeserklärung
in Reportagen und Erkundungen.“

Im Peenetal

Neuerscheinung 2. Juni 2022 – hier & jetzt bestellen!
Volker Pesch 
Im Peenetal
. Reportagen und Erkundungen
Illustrationen von Karen Kunkel
Hardcover, 184 Seiten, Format 12,5 x 19 cm, 
Edition Nordwind 2022,
ISBN 978-3-00-072206-6
Nur 14,90 Euro

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