Wie das Fleisch ins Futter kommt

Zu kaum einem Aspekt der Hundehaltung gibt es so viele Meinungen wie zur Ernährung. Manche schwören auf Dosenfutter vom Discounter, andere füttern nur kaltgepresstes Trockenfutter, wieder andere BARFen. HALALI-Autor Dr. Volker Pesch ist der Frage nachgegangen, welche tierischen Erzeugnisse im Hundefutter stecken.

Es begann mit roten Pusteln an den Innenseiten der Behänge. Zuerst kratzte sich der junge Rüde nur gelegentlich, dann immer häufiger und intensiver. Schließlich unterbrach er sogar das Schnüffeln mit tiefer Nase, von dem ihn sonst allenfalls ein abspringendes Reh abbringen konnte. Schnell war klar: der Hund hat eine Allergie. Es konnte alles Mögliche sein, etwa Hausstaubmilben, Nickel oder irgendwas im Futter, da geht es den Hunden wie den Menschen. 

Da die Pusteln nach Umstellung auf ein anderes Futter binnen weniger Tage verschwanden, ließ sich die Ursache auf die Nahrung eingrenzen. Und eine einfache Ausschlussdiät lenkte den Verdacht auf die tierischen Inhaltsstoffe. Aber was genau hatte die Allergie ausgelöst? War es das „Rind“ im kaltgepressten Trockenfutter? Der tiefgekühlte „Pansen-Mix“ vom BARF-Lieferservice? Oder das „Geflügelmehl“ in den Leckerli vom Discounter? Alles wäre gut möglich, denn Proteine von Rind und Huhn sind häufige Auslöser von Futtermittelallergien bei Hunden. 

Allerdings waren die Deklarationen der Inhaltsstoffe alles andere als eindeutig. Was bedeutete an dieser Stelle eigentlich „Rind“? Muskelfleisch, Innereien, Knorpel? Welche Arten von Pansen waren da gemixt? Und was für ein Geflügel war hier zu Mehl zerrieben worden? Andere Verpackungen in der Vorratsbox fürs Hundetraining wiesen „Lammprotein“ und „Rindertrockenfleisch“ aus, oder „Fleischproteine“ und „tierische Nebenerzeugnisse“. Die Frage drängte sich auf, wie das Fleisch ins Hundefutter kommt – oder vielmehr: welches Fleisch ins Hundefutter kommt. 

Futtermittel sind keine Lebensmittel

Wer sich über die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Tierfutterproduktion in Deutschland und Europa informiert, stößt auf eine unübersichtliche Vielzahl von Gesetzen und Verordnungen: EU-Futtermittelhygieneverordnung, Futtermittelverordnung, Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch, HACCP-Grundsätze, Richtlinien für Heimtierfutter… Die Liste ist lang. Wer in die Texte schaut, begreift aber schnell, dass für Mensch und Tier sehr unterschiedliche Regeln gelten. Die wichtigste ist: Tierfutter ist kein Lebensmittel. 

Als Lebensmittel gelten nämlich nur Stoffe oder Erzeugnisse, die dazu bestimmt sind, von Menschen aufgenommen werden. Dazu gehören Speisen und Getränke aller Art und explizit auch Kaugummi, nicht aber Tierfutter. Sämtliche Stoffe oder Erzeugnisse sowie Zusatzstoffe, die zur oralen Tierfütterung bestimmt sind, werden unter dem Begriff Futtermittel zusammengefasst. Auch das Futter für Heimtiere wie Hunde und Katzen. Was zunächst nur als technische Definitionen daherkommt, hat weitreichende Folgen. Denn Futtermittel unterliegen folgerichtig nicht dem vergleichsweise strengen Lebensmittelrecht. An ihre Sicherheit werden deutlich geringere Anforderungen gestellt. 

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Lesen Sie weiter in Halali Nr. 3/2021