Dr. Volker Pesch

Texter | Journalist | Schriftsteller | dtp

Im Peenetal

Aus dem Vorwort zu meinem neuen Buch:

Im Peenetal

Vor ein paar Jahren sah ich im ersten Licht eines gar nicht so schönen Morgens meinen ersten Peenebiber. Gemeinsam mit einer Handvoll anderer Frühaufsteher hatte ich mich am Bootsanleger des Örtchens Stolpe eingefunden, um unter sachkundiger Führung mit dem Solarboot in den Sonnenaufgang zu gleiten. Anschließend sollte ich darüber schreiben, so war es besprochen mit Redaktion und Veranstalter. Und obwohl die Sonne die ihr zugedachte Rolle nur bedingt spielte und ich meine Fotos in einem langfadigen Nieselregen machen musste, wurden meine Erwartungen an die Tour weit übertroffen: Wir sahen nicht nur den Biber aus nächster Nähe, sondern beobachteten auch Eisvögel bei der Jagd und lauschten dem eigenwilligen Gesang eines Rohrschwirls.

Ich war nicht zum ersten Mal im Peenetal. Aber erst an diesem verregneten Morgen ist mir richtig klar geworden, wie einzigartig es hier ist – und zwar jenseits von Postkartenkitsch. Seitdem bin ich immer wieder hergekommen, morgens und abends, zu allen Jahreszeiten, mit Fernglas und Notizblock, allein oder in Begleitung. Ich habe neue Pfade gesucht und alte Orte erkundet, Pflanzen und Tiere beobachtet, mir nasse Füße und einen trockenen Mund geholt. […] Und mittlerweile schreibe ich nicht nur darüber, sondern führe gelegentlich selbst Besucher durch das Peenetal.

Zu meinen Führungen gehört immer auch, den Blick zu lenken auf die vielfältigen Spuren der Nutzung. Wer es nicht gesagt bekommt, wird in der krautigen Sumpflandschaft wohl kaum den alten Torfstich erkennen, und im weiten See nicht die intensiv bewirtschaftete Wiese, die hier noch vor drei Jahrzehnten lag. Das Peenetal ist alles andere als „Wildnis“ oder „unberührte Natur“. Es ist nicht nur geformt vom Eis der letzten Kaltzeit, sondern auch und vor allem von Menschenhand.

Letztere hat viel zerstört, aber seit einigen Jahren macht sie vieles wieder wett. Was wir heute im Verlauf der Peene sehen und erleben können, ist zu weiten Teilen Folge eines ambitionierten Naturschutzprojektes. Das ist großartig und ungeheuer spannend mitzuerleben. Aber machen wie uns nichts vor: Gleich hinter dem Talrand beginnen die artenarmen Raps- und Maisfelder der konventionellen Landwirtschaft. Und auch der Klimawandel macht keinen Bogen um das Peenetal.

[…]

Kein vernunftbegabter Mensch kann das noch leugnen. Dennoch leben wir so, als gäbe es die Probleme nicht. Unbeirrbar halten wir an unserer Lebensweise fest, die Energie, Rohstoffe und Flächen verbraucht, als ließen sich neue herbeizaubern. Und wir reden uns ein, das Problem werde sich dank Windkraft, Lastenfahrrädern und veganer Ernährung lösen. Also durch technische Innovationen und ohne echten Verzicht. Das ist natürlich Unsinn, und im Grund wissen das auch alle. Wir sind wie Kinder, die sich beim Versteckspiel die Augen zuhalten und glauben, deswegen nicht gefunden zu werden.

Doch dieses Buch soll niemandem die Laune verderben. Ich möchte weder Salz in Wunden streuen noch den moralischen Zeigefinger heben, sondern den Fokus auf diese einzigartige Landschaft richten und meine Begeisterung weitergeben. Dass es auch ein Plädoyer für den Schutz des Peenetals und seiner Flora und Fauna geworden ist, liegt in der Natur der Sache. Aber zuerst und vor allem ist das Buch eine Liebeserklärung, eine Liebeserklärung in Reportagen und Erkundungen.

Der thematische Bogen reicht von der Entstehung der Landschaft über die vielfältigen Formen ihrer Nutzung bis zu den laufenden Renaturierungsprojekten. Ich lenke die Aufmerksamkeit auf Pflanzen und Tiere, angefangen bei Torf zersetzenden Bakterien und endend bei Seeadlern und Kranichen. Schmetterlinge nehme ich in den Blick, Frösche, Kormorane und nicht zuletzt die Singvögel. Auch wenn es kein systematisches Sachbuch ist, so vermitteln die einzelnen Kapitel doch ein Gesamtbild des Peenetals, und das auf unterhaltsame Art – das denke und hoffe ich jedenfalls. […]

 

„Eine Liebeserklärung an das Peenetal
mit seinen wunderbaren Pflanzen und Tieren.
Eine Liebeserklärung
in Reportagen und Erkundungen.“

Im Peenetal

Neuerscheinung Juni 2022 – hier & jetzt bestellen!
Volker Pesch 
Im Peenetal 

Reportagen und Erkundungen
Hardcover, 184 Seiten, Format 12,5 x 19 cm, 
Edition Nordwind 2022,
ISBN 978-3-00-072206-6
Nur 14,90 Euro

Bestellformular für Privatkunden

Informationen für Händler

Sensible Spezialisten

Mit tausenden Arten bilden Schmetterlinge nach den Käfern die zweitgrößte Ordnung der Insekten. Bunte Tagfalter machen dabei nur einen kleinen Teil aus, die große Mehrheit der Arten ist eher unscheinbar und nachtaktiv. Aber alle stellen besondere Anforderungen an ihre Habitate, wie Halali-Autor Dr. Volker Pesch beschreibt.

Anfang der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts machte eine These von Edward Lorenz Schlagzeilen: Der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien kann in Texas einen Orkan auslösen! In komplexen Systemen wie dem Wetter, das wollte der Meteorologe damit sagen, können schon kleinste Veränderungen eine Vorhersage der weiteren Entwicklung unmöglich machen. 

Unter dem Begriff „Schmetterlingseffekt“ hat diese Erkenntnis Aufnahme ins Handbuch des populären Halbwissens gefunden. Er wird heute gern für die ebenso allgemeine wie triviale Erkenntnis genutzt, dass kleine Ursachen mitunter nicht kontrollierbare Wirkungen haben können. Das hat zwar mit Lorenz‘ ursprünglicher These wenig zu tun, ist aber ein starkes Bild.

Und ein gut gewähltes dazu. Denn Schmetterlinge sind der Inbegriff natürlicher Schönheit, Zartheit und Verletzbarkeit. Die Behauptung, ein Flügelschlag von Admiral, Zitronenfalter oder Kohlweißling könne einen todbringenden Sturm bewirken, ist nachgerade empörend. Weil es mit diesem Widerspruch spielt, bleibt das Bild so gut im Gedächtnis.

[…]

Lesen Sie den gesamten Beitrag in HALALI Nr. 3/2021

Tod im Nebelwald

Irgendwo tief im Westerwald, in den 60er Jahren, wo die Menschen Ernte23 rauchen und Automobile vom Typ DKW Mungo fahren. Wo sie gelernt haben, „mit den Steinen zu leben, mit undankbarem Boden und mit schweren Zeiten, die kein Ende nahmen.“ So formuliert es Äffchen Fettweiß an einer Stelle, der Wirt der Gaststätte „Zum grünen Baum“, die in diesem Krimi eine zentrale Rolle spielt. Genauso wie das Duo aus Kommissar Rottek, dem einzigen Protagonisten des Romans mit halbwegs glücklichem Liebesleben, und Hauptwachtmeister Kesselring, dessen Sorge mehr seinen gackernden Kleinen Niederrheinern gilt als den laufenden Ermittlungen.  

Zeit, Ort und Personen hat Autor Lutz G. Wetzel bereits 2018 in „Tod im Waldwinkel“ eingeführt. Dabei war der Jägerstammtisch natürlich schon da keine neue Erfindung: Im „Grünen Baum“ spielte über viele Jahre die Kolumne „Wetzels Landleben“ in der Wild und Hund. Wer diese ebenso satirischen wie kurzweiligen Geschichten mit ihren karikaturhaft überzeichneten Figuren mochte, wird die Krimis des Journalisten und Dokumentarfilmers lieben. Schlachter Ahrens und Heimo vom Kunstdüngerschuppen kommen zwar nicht darin vor, wohl aber reichlich schäumende Humpen und Doppelte vom Alten Lohhäuser. 

Vor allem wird gemordet, was das Zeug hält. Gleich zu Anfang stirbt die Apothekergattin Siebenstern im Frisiersalon, und der erste Verdacht fällt auf Friseur Rimini. Allerdings folgt der bald in der Reihe der Toten, die damit noch lange nicht endet. Nur wer ist der Täter? Mordet hier wirklich der durchgeknallte Bürgermeister Ingo Dingens, und zwar aus Hass auf Jäger? Oder ist es Vater Kerschbaum mit seinen sechs Söhnen, über deren kriminelle Machenschaften es viele Gerüchte gibt? Und welche Rolle spielt der dicke Düsseldorfer Schrotthändler Popel Troost, der mit allen Mitteln das Jagdrevier des Apothekers übernehmen will und nie ohne seinen dümmlichen Adlatus Männel auftaucht?

Die Aufklärung ist am Ende nicht besonders verzwickt, soviel sei verraten, und sie gelingt eher zufällig. Die beiden Ermittler haben daran jedenfalls den geringsten Anteil.

Lutz G. Wetzel: Tod im Nebelwald. Krieg im Revier – das Dorf schläft nie, erschienen 2021 im Franckh-Kosmos Verlag, 240 Seiten, Broschur, 20,00 Euro

Das Jagdgebrauchshundewesen

Anlässlich des 120jährigen Bestehens des Jagdgebrauchshundverbandes e. V. (JGHV) hat Heinrich Uhde seine zuerst zum 100jährigen Bestehen erschienene Monographie bis in die Gegenwart fortgeschrieben. Eine solche Standortbestimmung ist, darauf weisen mehrere Grußworte hin, heute wichtiger denn je. Denn einerseits muss sich das Hundewesen (wie die Jagd insgesamt) gegen Kritik positionieren und rechtfertigen, andererseits wandeln sich die Aufgaben mit dem Wandel von Landschaft und Wildbeständen.

Das erste Kapitel des voluminösen Werks zeichnet die Geschichte des organisierten Jagdgebrauchshundwesens seit Mitte des 19. Jahrhunderts nach, wobei der Fokus stark auf handelnde Akteure gerichtet ist und weniger auf kynologische Erkenntnisfortschritte oder Wandlungsprozesse im Hundewesen. Das zweite Kapitel befasst sich mit den Jagdhunden, angefangen bei den einzelnen Rassen über die Biologie der Hunde bis zu den Grundlagen von Zucht und Haltung. Das dritte Kapitel beschreibt die Hundeausbildung in Theorie und Praxis und das vierte das Prüfungswesen des JGHV und der angeschlossenen Zuchtvereine. Kapitel über den Hund im Recht und in der Kunst runden das Buch ab.

Der Verlag bewirbt es als „Lehrbuch, Nachschlagewerk und Chronik in einem“. Das ist vielleicht nicht falsch, birgt aber ein Problem: Das Buch ist eine Monographie, geschrieben zwar von einem zweifellos erfahrenen, kompetenten und leidenschaftlichen Autor, einem der das Gebrauchshundwesen wie kaum ein zweiter kennt – der aber selbst ab 1971 Präsident des JGHV war und seit 1986 dessen Ehrenpräsident ist. Ein derart in den Gegenstand involvierter Autor kann beim besten Willen nicht neutral sein und auch abweichende Standpunkte gleichwertig darstellen. Das will bei der durchaus empfehlenswerten Lektüre bedacht sein, zumal Heinrich Uhde weder Quellen nennt noch Literaturangaben macht (ein Manko, dass er übrigens selbst benennt). 

Heinrich Uhde: Das Jagdgebrauchshundwesen. 120 Jahre JGHV, 3. Auflage 2020, Verlag Neumann-Neudamm, 416 Seiten gebunden, 49,90 Euro

Jagd mit Schalldämpfer

Noch vor wenigen Jahren galten Schalldämpfer als Teufelszeug. Als Waffenteil für Geheimagenten, Auftragsmörder und Wilderer, aber nicht für waidgerechte Jägersleut‘. Das hatte viel mit dem Festhalten am Gewohnten und wenig mit sachlichen Gründen zu tun, außerdem mit Unkenntnis und falschen Vorstellungen von der Wirkungsweise. Jäger, Verbände, Behörden und Gesetzgeber dachten offensichtlich an das leise Ploppen der Walther PPK, mit der James Bond 1962 Dr. No jagte.

Dass sich dies geändert hat, ist auch Autoren wie Christian Neitzel zu verdanken. In zahlreichen Beiträgen zu Jagdzeitschriften hat der Mediziner, Jäger und Waffensachverständige schon früh mit den Mythen und Vorurteilen aufgeräumt. Schalldämpfer schützen nicht nur vor Gehörschäden, sondern verringern auch Mündungsfeuer und Rückstoß und führen zu besseren Schussleistungen (und zwar der Waffe und des Schützen!). Als Neitzel sein profundes Fachwissen 2014 erstmalig zu einer – damals noch im Selbstverlag publizierten – Monografie zusammenfasste, waren Schalldämpfer bei der Jagd nur in schwierig zu begründenden Ausnahmefällen erlaubt. Heute sind sie (fast) selbstverständlich.

Jetzt ist das Buch in einer aktualisierten, deutlich erweiterten und informativ bebilderten Neuausgabe erschienen. Sämtliche Aspekte werden ausführlich abgehandelt, angefangen bei physikalischen und medizinischen Grundlagen über Konstruktions- und Wirkungsprinzipien bis zu Pflege und Jagdpraxis. Es dürfte auf lange Sicht das Standardwerk zum Thema bleiben. Und bei aller Sachlichkeit ist das Buch nicht zuletzt auch ein engagiertes Plädoyer für die Jagd mit Schalldämpfer.

Christian Neitzel: Jagd mit Schalldämpfer. Grundlagen, Technik und Praxis, 2021, Gräfe und Unzer Verlag (BLV), 304 Seiten gebunden, 29,00 Euro

Nichts als Abfall?

Wie das Fleisch ins Futter kommt

Zu kaum einem Aspekt der Hundehaltung gibt es so viele Meinungen wie zur Ernährung. Manche schwören auf Dosenfutter vom Discounter, andere füttern nur kaltgepresstes Trockenfutter, wieder andere BARFen. HALALI-Autor Dr. Volker Pesch ist der Frage nachgegangen, welche tierischen Erzeugnisse im Hundefutter stecken.

Es begann mit roten Pusteln an den Innenseiten der Behänge. Zuerst kratzte sich der junge Rüde nur gelegentlich, dann immer häufiger und intensiver. Schließlich unterbrach er sogar das Schnüffeln mit tiefer Nase, von dem ihn sonst allenfalls ein abspringendes Reh abbringen konnte. Schnell war klar: der Hund hat eine Allergie. Es konnte alles Mögliche sein, etwa Hausstaubmilben, Nickel oder irgendwas im Futter, da geht es den Hunden wie den Menschen. 

Da die Pusteln nach Umstellung auf ein anderes Futter binnen weniger Tage verschwanden, ließ sich die Ursache auf die Nahrung eingrenzen. Und eine einfache Ausschlussdiät lenkte den Verdacht auf die tierischen Inhaltsstoffe. Aber was genau hatte die Allergie ausgelöst? War es das „Rind“ im kaltgepressten Trockenfutter? Der tiefgekühlte „Pansen-Mix“ vom BARF-Lieferservice? Oder das „Geflügelmehl“ in den Leckerli vom Discounter? Alles wäre gut möglich, denn Proteine von Rind und Huhn sind häufige Auslöser von Futtermittelallergien bei Hunden. 

Allerdings waren die Deklarationen der Inhaltsstoffe alles andere als eindeutig. Was bedeutete an dieser Stelle eigentlich „Rind“? Muskelfleisch, Innereien, Knorpel? Welche Arten von Pansen waren da gemixt? Und was für ein Geflügel war hier zu Mehl zerrieben worden? Andere Verpackungen in der Vorratsbox fürs Hundetraining wiesen „Lammprotein“ und „Rindertrockenfleisch“ aus, oder „Fleischproteine“ und „tierische Nebenerzeugnisse“. Die Frage drängte sich auf, wie das Fleisch ins Hundefutter kommt – oder vielmehr: welches Fleisch ins Hundefutter kommt. 

[…]

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag aus Halali Nr. 3/2021

Geologie & Landschaft

Bildbände zur Geologie und Landschaftsentstehung gelten gemeinhin nicht unbedingt als unterhaltsam – außer vielleicht für Geologen. Laien hingegen können Fotos von Vögeln, Blümchen oder Insekten mehr abgewinnen. Ein Coffee Table Book voller Geschiebemergel und Torf ist eigentlich unvorstellbar.

Aber genau das haben Rolf und Matthias Reinicke nun vorgelegt. Dem „Altmeister“ der Mineralogie und Geologie des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Autor zahlreicher populärer Sachbücher, und seinem Sohn, der als Grafikdesigner in Kanada lebt, ist das Kunststück gelungen, die Entstehung und Formung der Landschaften im heutigen Mecklenburg-Vorpommern auf ebenso informative wie lehrreiche und unterhaltsame Weise darzustellen. Inge Reinicke hat Zeichnungen beigetragen und das Buch sorgfältig lektoriert.

Mit zahlreichen Karten, detailreichen Fotos, großformatigen Luftaufnahmen, didaktischen Grafiken und kurzen, sehr prägnanten Texten werden die eiszeitlichen Formungen der Landschaft eindrücklich dargestellt, also etwa Grundmoränenlandschaften, Seen oder Binnendünen. Und auch die Entwicklungen bis in die Gegenwart werden nachgezeichnet, wie die Entstehung großflächiger Niedermoore oder die fortwährende Veränderung der Küsten. Es geht weiterhin um einzelne Geotope, um Rohstoffe und deren Gewinnung und zuletzt auch um die Geowissenschaften im Land.

Beschreibungen und Adressen von geologischen Sammlungen, Ausstellungen und Informationszentren im Land Mecklenburg-Vorpommern beschließen den Band, der durchaus auch als eine Art Reiseführer zu Geologie & Landschaft gelesen werden kann. Er ist sicher nicht für professionelle Geologen gemacht, aber auch die dürften Freude daran haben.

Rolf und Matthias Reinicke, Geologie & Landschaft Mecklenburg-Vorpommern, Demmler Verlag 2021, 176 Seiten gebunden, 29,95 Euro

Nicht um die Ecke!

Vorab zur Erläuterung: Ich bespreche regelmäßig auch Kinderbücher. Jetzt wurde meine Rezension des Buches „Nicht um die Ecke!“ von einer Redaktion abgelehnt. Nicht dass mein Text für schlecht befunden worden wäre, zu lang oder zu kurz oder verspätet eingereicht. Vielmehr sah die Redaktion die im Buch beschriebene „Grenzüberschreitung des Kindes“ kritisch und will das Buch deswegen nicht ihren Leserinnen und Lesern empfehlen. 

Ich bin mit der „Rappelkiste“ und Michel aus Lönneberga aufgewachsen, von Pippi Langstrumpf und Neills „Grüner Wolke“ gar nicht zu reden. Bücher voller Grenzüberschreitungen. Mich entsetzt der Gedanke, Kinderbücher als Disziplinierungsinstrumente anzusehen – und nicht als phantastische Abenteuerspielplätze, in denen vieles ganz anders ist als in der Welt der Erwachsenen.

Anstelle der Indizierung oder Vernichtung verdächtiger Druckerzeugnisse schlage ich vor, künftig folgenden Warnhinweis auf Kinderbücher zu drucken: 

Parental advisory: This Book contains sequences of disobedience

Und weil das Buch so schön grenzüberschreitend ist, empfehle ich es ganz ausdrücklich und veröffentliche hier meine Rezension:

Nicht um die Ecke!

Emma ist mit ihrer Mama und dem Dreirad im Park. Sie ist voller Tatendrang, aber Mama sitzt nur auf der Bank und schaut auf ihr Handy. „Du fährst nicht um die Ecke!“, mahnt sie noch. Eine Situation, die wohl viele Kinder kennen. Emma langweilt sich, aber schon bald machen ihre Füße, was sie wollen, treten in die Pedale, der Wind weht ihr ins Gesicht, bunte Blätter wirbeln auf – und ehe sie sich’s versieht, ist Emma schon um die Ecke verschwunden. Dort ist es wirklich spannend: Affen klettern in die Bäume, Schiffe fahren übers weite Meer, Pferde springen umher. Oder bildet sie sich das alles nur ein? Sind es nur geheimnisvolle Schatten auf der Mauer? Egal, „Um die Ecke“ gibt es jedenfalls Abenteuer, wie nur Kinder sie erleben können.

Die Illustrationen sind so eindrücklich, dass kleine und große Betrachterinnen und Betrachter unmittelbar teilhaben an den Entdeckungen, die Emma macht. Autor und Illustrator Dirk Steinhöfel zeigt die Welt durch Emmas Augen und ihre grenzenlose Phantasie. Steinhöfel ging erst andere berufliche (Um)Wege, bevor er sich 2003 selbständig machte. Seine zahlreichen Kinderbücher zeichnen sich durch eine ganz eigene Ästhetik aus: Es sind dreidimensionale, am Computer entworfene Bilderwelten mit starker Ausdruckskraft und wenigen Worten. Das Buch wird empfohlen für Kinder ab 4 Jahren.

Dirk Steinhöfel: Nicht um die Ecke, FISCHER Sauerländer Verlag 2018, 48 Seiten gebunden, 14,99 Euro, ISBN 978-3-7373-5531-5

Weitere Informationen und eine Leseprobe
finden Sie auf den Seiten des Verlags.

Hoffnung für den Hamster

Noch vor wenigen Jahrzehnten galt der Feldhamster in Europa als Schädling. Mit allen Mitteln wurde ihm nachgestellt, seine Bälge waren begehrte Rauchwaren und mancherorts wurden staatliche Fangprämien gezahlt. Hamsterjagd konnte lukrativ sein. Heute ist der kleine Nager vom Aussterben bedroht. Aber es gibt auch effiziente Schutzmaßnahmen, wie HALALI-Autor Dr. Volker Pesch zeigt.

Wenn sich Kinder einen Hund wünschen, bekommen sie nicht selten einen Wellensittich, ein Meerschweinchen oder einen Goldhamster. Sie sollen erst einmal lernen, Verantwortung für ein Tier zu übernehmen, heißt es dann. Eltern können grausam sein. Besonders der Goldhamster macht es den kleinen Tierhaltern nämlich alles andere als leicht. Tagsüber schläft er tief eingemummelt in seiner Höhle aus Sägespänen und Wolle und widersetzt sich allen Kuschelversuchen, des nachts hingegen lässt er unaufhörlich das Laufrad rattern. Derart fit gehalten kann das putzige Tierchen durchaus 20 Monate alt werden – was nicht jeder Knirps bis zum Ende durchsteht: Manch ein Goldhamster wird frühzeitig in die Freiheit des heimischen Vorgartens entlassen.

Außerhalb von Kinderzimmern drehen viele Goldhamster in Versuchslaboren am Rad. Die Wildform hingegen ist selten geworden. In seiner vorderasiatischen Heimat nehmen die Bestände kontinuierlich ab, Gründe dafür sind die anhaltende Flächenversiegelung und die intensive Bekämpfung durch Bauern, die in dem putzigen Tierchen vor allem einen fiesen Schädling sehen. Von der Weltnaturschutzunion IUCN (International Union for Conservation of Nature) wird der Syrische Goldhamster, so die vollständige Bezeichnung, seit einiger Zeit als gefährdet eingestuft. 

Auf der Roten Liste

Genau wie sein europäischer Verwandter, der Feldhamster. Der gilt schon seit den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts als bestandsgefährdet. Einstmals bewohnte der kleine Kulturfolger weite Teile Europas und auch Teile Asiens, von den Niederlanden bis Sibirien. Aber überall sind sie Populationen massiv geschrumpft, vielerorts sind sie bereits erloschen. Mitte des vergangenen Jahres veröffentlichte die IUCN ihre Einschätzung, dass der Feldhamster spätestens in 30 Jahren ausgestorben sein wird, wenn nicht zeitnah effiziente Schutzmaßnahmen ergriffen werden. […]

Lesen Sie weiter in Halali Nr. 2/2021

Emotionen bei Hunden

Ob nun der Mensch den Hund domestiziert hat oder der Hund den Menschen, oder ob sich beide in einem Prozess der Koevolution zu jenen Wesen entwickelt haben, die sie heute sind, sei hier dahingestellt. Richtig ist aber ohne Zweifel, dass beide zu erstaunlichen Verstandesleistungen fähig sind, und zu tiefen Emotionen. Wo Mensch und Hund einander verstehen, etwa auf der Jagd, sind sie engste Partner und unschlagbare Gespanne. Aber dieses Verständnis ist nicht selbst-verständlich, selbst erfahrene Hundemenschen missdeuten gelegentlich ihre Vierläufer. 

Ein jetzt erschienenes Buch soll hier Abhilfe schaffen: die „Blickschule“ von Katja Krauß und Gabi Maue. Es enthält mehr als 1300 Standfotos und Bildsequenzen von Hunden in unterschiedlichen Konstellationen und Situationen, versehen mit detaillierten Erläuterungen und Hinweisen. Der erste Teil zeigt die einzelnen Körperteile beim Ausdrucksverhalten; der zweite befasst sich mit Kommunikationssignalen wie etwa Züngeln, Abwenden oder Gähnen; und der dritte fokussiert die unterschiedlichen Emotionen, also beispielsweise Angst, Wut oder Freude. In Art und Umfang ist solch ein Werk noch nicht dagewesen, und man kann den Kynos Verlag für seinen verlegerischen Mut nur beglückwünschen (in 2021 erscheint noch ein zugehöriges Arbeitsbuch mit Fragen und Aufgaben). 

Aber wo viel Licht ist, fallen auch Schatten: Es sind ganz überwiegend Fotos der Hunde der beiden Autorinnen, sehr unterschiedliche Rassen zwar, kleine und große, lang- und kurzhaarige, Reinrassige und Mischlinge. Aber jagdlich geführte oder andere Gebrauchshunde sind nicht darunter, schon gar nicht im Einsatz. Mitunter erkennt auch der wohlwollende Betrachter hinter dem wuseligen Etwas nicht die in der Bildunterschrift verheißene Emotion. Die Autorinnen selbst sprechen einleitend von „Schnappschüssen“, und das bezeichnet viele der Bilder recht gut. Der geradezu gebetsmühlenartige Verweis auf die Tellington-Trainingsmethode, die beide Autorinnen praktizieren, verleiht dem Text stellenweise den Charme einer Werbebroschüre. 

Katja Krauß und Gabi Maue: Emotionen bei Hunden sehen lernen. Eine Blickschule, erschienen 2020 im Kynos Verlag, gebunden 624 Seiten, 59,95 Euro

« Ältere Beiträge

© 2022 Dr. Volker Pesch

Theme von Anders NorénHoch ↑