Dr. Volker Pesch

Texter | Journalist | Schriftsteller | dtp

Nichts als Abfall?

Wie das Fleisch ins Futter kommt

Zu kaum einem Aspekt der Hundehaltung gibt es so viele Meinungen wie zur Ernährung. Manche schwören auf Dosenfutter vom Discounter, andere füttern nur kaltgepresstes Trockenfutter, wieder andere BARFen. HALALI-Autor Dr. Volker Pesch ist der Frage nachgegangen, welche tierischen Erzeugnisse im Hundefutter stecken.

Es begann mit roten Pusteln an den Innenseiten der Behänge. Zuerst kratzte sich der junge Rüde nur gelegentlich, dann immer häufiger und intensiver. Schließlich unterbrach er sogar das Schnüffeln mit tiefer Nase, von dem ihn sonst allenfalls ein abspringendes Reh abbringen konnte. Schnell war klar: der Hund hat eine Allergie. Es konnte alles Mögliche sein, etwa Hausstaubmilben, Nickel oder irgendwas im Futter, da geht es den Hunden wie den Menschen. 

Da die Pusteln nach Umstellung auf ein anderes Futter binnen weniger Tage verschwanden, ließ sich die Ursache auf die Nahrung eingrenzen. Und eine einfache Ausschlussdiät lenkte den Verdacht auf die tierischen Inhaltsstoffe. Aber was genau hatte die Allergie ausgelöst? War es das „Rind“ im kaltgepressten Trockenfutter? Der tiefgekühlte „Pansen-Mix“ vom BARF-Lieferservice? Oder das „Geflügelmehl“ in den Leckerli vom Discounter? Alles wäre gut möglich, denn Proteine von Rind und Huhn sind häufige Auslöser von Futtermittelallergien bei Hunden. 

Allerdings waren die Deklarationen der Inhaltsstoffe alles andere als eindeutig. Was bedeutete an dieser Stelle eigentlich „Rind“? Muskelfleisch, Innereien, Knorpel? Welche Arten von Pansen waren da gemixt? Und was für ein Geflügel war hier zu Mehl zerrieben worden? Andere Verpackungen in der Vorratsbox fürs Hundetraining wiesen „Lammprotein“ und „Rindertrockenfleisch“ aus, oder „Fleischproteine“ und „tierische Nebenerzeugnisse“. Die Frage drängte sich auf, wie das Fleisch ins Hundefutter kommt – oder vielmehr: welches Fleisch ins Hundefutter kommt. 

Futtermittel sind keine Lebensmittel

Wer sich über die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Tierfutterproduktion in Deutschland und Europa informiert, stößt auf eine unübersichtliche Vielzahl von Gesetzen und Verordnungen: EU-Futtermittelhygieneverordnung, Futtermittelverordnung, Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch, HACCP-Grundsätze, Richtlinien für Heimtierfutter… Die Liste ist lang. Wer in die Texte schaut, begreift aber schnell, dass für Mensch und Tier sehr unterschiedliche Regeln gelten. Die wichtigste ist: Tierfutter ist kein Lebensmittel. 

Als Lebensmittel gelten nämlich nur Stoffe oder Erzeugnisse, die dazu bestimmt sind, von Menschen aufgenommen werden. Dazu gehören Speisen und Getränke aller Art und explizit auch Kaugummi, nicht aber Tierfutter. Sämtliche Stoffe oder Erzeugnisse sowie Zusatzstoffe, die zur oralen Tierfütterung bestimmt sind, werden unter dem Begriff Futtermittel zusammengefasst. Auch das Futter für Heimtiere wie Hunde und Katzen. Was zunächst nur als technische Definitionen daherkommt, hat weitreichende Folgen. Denn Futtermittel unterliegen folgerichtig nicht dem vergleichsweise strengen Lebensmittelrecht. An ihre Sicherheit werden deutlich geringere Anforderungen gestellt. 

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Geologie & Landschaft

Bildbände zur Geologie und Landschaftsentstehung gelten gemeinhin nicht unbedingt als unterhaltsam – außer vielleicht für Geologen. Laien hingegen können Fotos von Vögeln, Blümchen oder Insekten mehr abgewinnen. Ein Coffee Table Book voller Geschiebemergel und Torf ist eigentlich unvorstellbar.

Aber genau das haben Rolf und Matthias Reinicke nun vorgelegt. Dem „Altmeister“ der Mineralogie und Geologie des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Autor zahlreicher populärer Sachbücher, und seinem Sohn, der als Grafikdesigner in Kanada lebt, ist das Kunststück gelungen, die Entstehung und Formung der Landschaften im heutigen Mecklenburg-Vorpommern auf ebenso informative wie lehrreiche und unterhaltsame Weise darzustellen. Inge Reinicke hat Zeichnungen beigetragen und das Buch sorgfältig lektoriert.

Mit zahlreichen Karten, detailreichen Fotos, großformatigen Luftaufnahmen, didaktischen Grafiken und kurzen, sehr prägnanten Texten werden die eiszeitlichen Formungen der Landschaft eindrücklich dargestellt, also etwa Grundmoränenlandschaften, Seen oder Binnendünen. Und auch die Entwicklungen bis in die Gegenwart werden nachgezeichnet, wie die Entstehung großflächiger Niedermoore oder die fortwährende Veränderung der Küsten. Es geht weiterhin um einzelne Geotope, um Rohstoffe und deren Gewinnung und zuletzt auch um die Geowissenschaften im Land.

Beschreibungen und Adressen von geologischen Sammlungen, Ausstellungen und Informationszentren im Land Mecklenburg-Vorpommern beschließen den Band, der durchaus auch als eine Art Reiseführer zu Geologie & Landschaft gelesen werden kann. Er ist sicher nicht für professionelle Geologen gemacht, aber auch die dürften Freude daran haben.

Rolf und Matthias Reinicke, Geologie & Landschaft Mecklenburg-Vorpommern, Demmler Verlag 2021, 176 Seiten gebunden, 29,95 Euro

Nicht um die Ecke!

Vorab zur Erläuterung: Ich bespreche regelmäßig auch Kinderbücher. Jetzt wurde meine Rezension des Buches „Nicht um die Ecke!“ von einer Redaktion abgelehnt. Nicht dass mein Text für schlecht befunden worden wäre, zu lang oder zu kurz oder verspätet eingereicht. Vielmehr sah die Redaktion die im Buch beschriebene „Grenzüberschreitung des Kindes“ kritisch und will das Buch deswegen nicht ihren Leserinnen und Lesern empfehlen. 

Ich bin mit der „Rappelkiste“ und Michel aus Lönneberga aufgewachsen, von Pippi Langstrumpf und Neills „Grüner Wolke“ gar nicht zu reden. Bücher voller Grenzüberschreitungen. Mich entsetzt der Gedanke, Kinderbücher als Disziplinierungsinstrumente anzusehen – und nicht als phantastische Abenteuerspielplätze, in denen vieles ganz anders ist als in der Welt der Erwachsenen.

Anstelle der Indizierung oder Vernichtung verdächtiger Druckerzeugnisse schlage ich vor, künftig folgenden Warnhinweis auf Kinderbücher zu drucken: 

Parental advisory: This Book contains sequences of disobedience

Und weil das Buch so schön grenzüberschreitend ist, empfehle ich es ganz ausdrücklich und veröffentliche hier meine Rezension:

Nicht um die Ecke!

Emma ist mit ihrer Mama und dem Dreirad im Park. Sie ist voller Tatendrang, aber Mama sitzt nur auf der Bank und schaut auf ihr Handy. „Du fährst nicht um die Ecke!“, mahnt sie noch. Eine Situation, die wohl viele Kinder kennen. Emma langweilt sich, aber schon bald machen ihre Füße, was sie wollen, treten in die Pedale, der Wind weht ihr ins Gesicht, bunte Blätter wirbeln auf – und ehe sie sich’s versieht, ist Emma schon um die Ecke verschwunden. Dort ist es wirklich spannend: Affen klettern in die Bäume, Schiffe fahren übers weite Meer, Pferde springen umher. Oder bildet sie sich das alles nur ein? Sind es nur geheimnisvolle Schatten auf der Mauer? Egal, „Um die Ecke“ gibt es jedenfalls Abenteuer, wie nur Kinder sie erleben können.

Die Illustrationen sind so eindrücklich, dass kleine und große Betrachterinnen und Betrachter unmittelbar teilhaben an den Entdeckungen, die Emma macht. Autor und Illustrator Dirk Steinhöfel zeigt die Welt durch Emmas Augen und ihre grenzenlose Phantasie. Steinhöfel ging erst andere berufliche (Um)Wege, bevor er sich 2003 selbständig machte. Seine zahlreichen Kinderbücher zeichnen sich durch eine ganz eigene Ästhetik aus: Es sind dreidimensionale, am Computer entworfene Bilderwelten mit starker Ausdruckskraft und wenigen Worten. Das Buch wird empfohlen für Kinder ab 4 Jahren.

Dirk Steinhöfel: Nicht um die Ecke, FISCHER Sauerländer Verlag 2018, 48 Seiten gebunden, 14,99 Euro, ISBN 978-3-7373-5531-5

Weitere Informationen und eine Leseprobe
finden Sie auf den Seiten des Verlags.

Hoffnung für den Hamster

Noch vor wenigen Jahrzehnten galt der Feldhamster in Europa als Schädling. Mit allen Mitteln wurde ihm nachgestellt, seine Bälge waren begehrte Rauchwaren und mancherorts wurden staatliche Fangprämien gezahlt. Hamsterjagd konnte lukrativ sein. Heute ist der kleine Nager vom Aussterben bedroht. Aber es gibt auch effiziente Schutzmaßnahmen, wie HALALI-Autor Dr. Volker Pesch zeigt.

Wenn sich Kinder einen Hund wünschen, bekommen sie nicht selten einen Wellensittich, ein Meerschweinchen oder einen Goldhamster. Sie sollen erst einmal lernen, Verantwortung für ein Tier zu übernehmen, heißt es dann. Eltern können grausam sein. Besonders der Goldhamster macht es den kleinen Tierhaltern nämlich alles andere als leicht. Tagsüber schläft er tief eingemummelt in seiner Höhle aus Sägespänen und Wolle und widersetzt sich allen Kuschelversuchen, des nachts hingegen lässt er unaufhörlich das Laufrad rattern. Derart fit gehalten kann das putzige Tierchen durchaus 20 Monate alt werden – was nicht jeder Knirps bis zum Ende durchsteht: Manch ein Goldhamster wird frühzeitig in die Freiheit des heimischen Vorgartens entlassen.

Außerhalb von Kinderzimmern drehen viele Goldhamster in Versuchslaboren am Rad. Die Wildform hingegen ist selten geworden. In seiner vorderasiatischen Heimat nehmen die Bestände kontinuierlich ab, Gründe dafür sind die anhaltende Flächenversiegelung und die intensive Bekämpfung durch Bauern, die in dem putzigen Tierchen vor allem einen fiesen Schädling sehen. Von der Weltnaturschutzunion IUCN (International Union for Conservation of Nature) wird der Syrische Goldhamster, so die vollständige Bezeichnung, seit einiger Zeit als gefährdet eingestuft. 

Auf der Roten Liste

Genau wie sein europäischer Verwandter, der Feldhamster. Der gilt schon seit den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts als bestandsgefährdet. Einstmals bewohnte der kleine Kulturfolger weite Teile Europas und auch Teile Asiens, von den Niederlanden bis Sibirien. Aber überall sind sie Populationen massiv geschrumpft, vielerorts sind sie bereits erloschen. Mitte des vergangenen Jahres veröffentlichte die IUCN ihre Einschätzung, dass der Feldhamster spätestens in 30 Jahren ausgestorben sein wird, wenn nicht zeitnah effiziente Schutzmaßnahmen ergriffen werden. […]

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Emotionen bei Hunden

Ob nun der Mensch den Hund domestiziert hat oder der Hund den Menschen, oder ob sich beide in einem Prozess der Koevolution zu jenen Wesen entwickelt haben, die sie heute sind, sei hier dahingestellt. Richtig ist aber ohne Zweifel, dass beide zu erstaunlichen Verstandesleistungen fähig sind, und zu tiefen Emotionen. Wo Mensch und Hund einander verstehen, etwa auf der Jagd, sind sie engste Partner und unschlagbare Gespanne. Aber dieses Verständnis ist nicht selbst-verständlich, selbst erfahrene Hundemenschen missdeuten gelegentlich ihre Vierläufer. 

Ein jetzt erschienenes Buch soll hier Abhilfe schaffen: die „Blickschule“ von Katja Krauß und Gabi Maue. Es enthält mehr als 1300 Standfotos und Bildsequenzen von Hunden in unterschiedlichen Konstellationen und Situationen, versehen mit detaillierten Erläuterungen und Hinweisen. Der erste Teil zeigt die einzelnen Körperteile beim Ausdrucksverhalten; der zweite befasst sich mit Kommunikationssignalen wie etwa Züngeln, Abwenden oder Gähnen; und der dritte fokussiert die unterschiedlichen Emotionen, also beispielsweise Angst, Wut oder Freude. In Art und Umfang ist solch ein Werk noch nicht dagewesen, und man kann den Kynos Verlag für seinen verlegerischen Mut nur beglückwünschen (in 2021 erscheint noch ein zugehöriges Arbeitsbuch mit Fragen und Aufgaben). 

Aber wo viel Licht ist, fallen auch Schatten: Es sind ganz überwiegend Fotos der Hunde der beiden Autorinnen, sehr unterschiedliche Rassen zwar, kleine und große, lang- und kurzhaarige, Reinrassige und Mischlinge. Aber jagdlich geführte oder andere Gebrauchshunde sind nicht darunter, schon gar nicht im Einsatz. Mitunter erkennt auch der wohlwollende Betrachter hinter dem wuseligen Etwas nicht die in der Bildunterschrift verheißene Emotion. Die Autorinnen selbst sprechen einleitend von „Schnappschüssen“, und das bezeichnet viele der Bilder recht gut. Der geradezu gebetsmühlenartige Verweis auf die Tellington-Trainingsmethode, die beide Autorinnen praktizieren, verleiht dem Text stellenweise den Charme einer Werbebroschüre. 

Katja Krauß und Gabi Maue: Emotionen bei Hunden sehen lernen. Eine Blickschule, erschienen 2020 im Kynos Verlag, gebunden 624 Seiten, 59,95 Euro

Winterwald

Wer an Tiere und Pflanzen des Waldes denkt, hat wohl nicht als erstes Winterbilder im Kopf. Wahrscheinlicher sind Bilder der grünen Fülle, Bilder von Frühling und Sommer oder auch Bilder der Jagd im Herbstlaub. Aber das wird der kalten Jahreszeit nicht gerecht: Im Winter ist der Wald zwar stiller und offener, aber unbelebter ist er natürlich nicht. Die Pflanzen folgen ihren Überlebensstrategien, und gerade im weißen Gewand finden sich allenthalben Spuren der oft gar nicht so heimlichen Waldbewohner.  

Deswegen richtet Ekkehard Ophoven seinen Blick auf den Winterwald. Der Autor stammt aus einem Jägerhaushalt, ist selbst passionierter Jäger, studierte Forstwissenschaften, verantwortet seit vielen Jahren das Jagdbuch-Programm im Kosmos-Verlag und hat auch selbst das eine oder andere Fachbuch verfasst. In zwanzig Kapiteln widmet er sich den Waldbewohnern, angefangen bei Bäumen und Pilzen über Rotwild, Wildschweine und Eichhörnchen bis zu Spechten und Habichten. Darin wechseln sich stimmungsvolle oder anekdotische Erzähl-Passagen und grundlegende (wild)biologische Beschreibungen zu den jeweiligen Arten ab. Es gelingt Ophoven ausgezeichnet, die Jägersprache für Nicht-Jäger zu übersetzen, ohne dabei oberlehrerhaft oder prätentiös daherzukommen.

Auch die überwiegend naturalistischen Aquarelle der französischen Illustratorin Sandra Lefrançois fangen die Stimmung im Winterwald wunderbar ein. Gleichwohl ist das nicht nur ein Buch für lange Leseabende am Kamin. Für Menschen mit grünem Abitur bietet es zwar wenig Neues, aber eine Wissensauffrischung auf unterhaltsame Art. Für alle anderen ist es ein prima Einstieg in die Biologie des Waldes, zumal die Beschreibungen weit über die winterlichen Besonderheiten hinausgehen.

Ekkehard Ophoven: Winterwald. Begegnungen mit Tieren und Pflanzen in der stillen Jahreszeit, erschienen 2020 im Franckh-Kosmos Verlag, 256 Seiten, gebunden, 36,00 Euro

Die Flinte

In fast keinem Jägerschrank dürfte die Flinte fehlen. Abgesehen von kombinierten Waffen ist sie sicher das vielseitigste Jagdgewehr: Mit Schrot geht es auf Fuchs und Taube, Hase und Fasan, in anderen Ländern auch auf Rehwild. Und mit „der Brenneke“ im Lauf brachten die Flintenjäger der DDR alles Schalenwild zur Strecke. Weil diese Kombination kaum fehleranfällig ist und durchschlagend im eigentlichen Sinne, schwört heute so mancher Nachsuchenführer darauf. Außerdem ist die Flinte bei Sportschützen beliebt, Trap und Skeet sind olympische Disziplinen.

Mit der jetzt vorliegenden Monografie hat Norbert Klups seine vierbändige Edition der beliebtesten Jagdwaffen abgeschlossen (Band I: Drilling, II: Doppelbüchse, III: Repetierer). Von der Geschichte der Schrotwaffen über Schlosse und Verschlüsse, Läufe und Schäfte, Bauarten und Konstruktionsmerkmale, Kaliber und Patronen bis zu Pflege und Gebrauchtwaffenkauf lässt der bekannte Fachautor und Schießtrainer keinen wichtigen Aspekt aus. Auch einige Kuriositäten aus der Geschichte des Flintenbaus werden vorgestellt, etwa die Becker-Selbstladeflinte aus den 20er Jahren mit ihrem markanten Trommelmagazin für 5 Patronen. Das großformatige Buch ist insgesamt informativ und – wie schon die anderen drei Bände der Reihe – reich und ästhetisch bebildert.

Für Liebhaber exklusiver Modelle ist die Beschränkung auf „große“ Flintenhersteller im entsprechenden Kapitel nicht wirklich nachvollziehbar. Denn „Größe“ bemisst sich hier an der Betriebsgröße und an Absatzzahlen. Folglich kommen kleine Edelschmieden wie beispielsweise Purdey nicht darin vor, wohl aber manch ein Hersteller kostengünstiger Fabrikflinten aus Kunststoff und Druckguss. Wer den Band als „unverzichtbares Nachschlagewerk“ nutzen möchte, wie die Verlagswerbung ihn preist, wird vielleicht ein Schlagwortregister für den leichteren Zugriff vermissen.

Norbert Klups: Die Flinte, erschienen 2020 im Heel Verlag, 240 Seiten, Großformat gebunden im Schuber, 49,95 Euro

Paludikultur – Landwirtschaft im Moor

Die Renaturierung land- und forstwirtschaftlich genutzter Moore ist vielerorts erklärter Wille. Für den Klimaschutz ist das ein effizientes Mittel, birgt aber auch erhebliches Konfliktpotenzial. Deswegen forschen Wissenschaftler an neuen Formen der nassen Landwirtschaft. Nicht absehbar sind die Folgen für Wild und Jagd, wie HALALI-Autor Dr. Volker Pesch beschreibt.

Das Ding erinnert an die Pistenraupe aus dem letzten Skiurlaub. Und das ist kein Zufall: es ist eine Pistenraupe. Zumindest ist das Fahrzeug dereinst zu diesem Zweck hergestellt worden. Es wäre also keiner besonderen Erwähnung wert, befänden wir uns nicht im Peenetal, in Mecklenburg-Vorpommern, im äußersten Nordosten der Republik. Der letzte nennenswerte Schneefall liegt hier bald zehn Jahre zurück, und das Land ist flach wie die Flundern in der nahen Ostsee. Skipisten werden hier auch in absehbarer Zukunft nicht angelegt. 

Die Raupe arbeitet sich vielmehr durch eine mit Schilf bestandene Wasserfläche. Sie ist zum Erntefahrzeug mit Spezialketten aus Gummi und einem Häckselwerk umgebaut worden. Bei sämtlichen Herstellern von Erntetechnik fand sich keine geeignete Maschine, denn die Ernte von Schilf ist nicht nur hierzulande eher ein Nischengewerk. Schilf wird nahezu ausschließlich als traditionelles Material zum Dachdecken genutzt. Deswegen wird es üblicherweise auch nicht als landwirtschaftliche Kultur angebaut, sondern nach Bedarf in natürlichen Beständen am Rand von Gewässern geschnitten.

Aber das könnte sich bald ändern. Denn Schilf kann mehr. Die Fasern der bis zu 4 Metern hohen Stengel binden Lehmputz und dienen als Rohstoffe von natürlichen Dämm- und Bauplatten. Und gehäckselter Schilf liefert hochwertige Biomasse zur Energiegewinnung. Hier, im Peenetal, wird praktisch erprobt, was Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis ist: Der Anbau von Schilf kann wirtschaftlich durchaus ertragreich sein. Das Stichwort, mit dem sich solcherart Hoffnungen verbinden, lautet „Paludikultur“. […]

Lesen Sie den gesamten Artikel in HALALI Nr. 1/2021 ab S. 114 unter diesem Link.

Praxishandbuch Jagd

Im fortgeschrittenen Internet-Zeitalter gehört schon einiges an verlegerischem Mut dazu, ein über 650 Seiten starkes Handbuch der Jagd aufzulegen. Stolze 2389 Gramm bringt das gute Stück auf die Küchenwaage. Viele Verlage haben sich zuletzt aus dem Jagdsegment zurückgezogen, denn die stetig wachsende Jägerschaft ist keine wachsende Leserschaft. Jagdliteratur ist nicht mehr lukrativ. Umso lobenswerter ist es, dass man bei Kosmos – einem der letzten größeren Verlage, die noch ein umfangreiches Jagdprogramm bieten – offensichtlich gegen den Strom schwimmt und das Standardwerk „Praxishandbuch Jagd“ nicht nur lieferbar hält, sondern eine vollständig überarbeitete Neuausgabe besorgt hat. 

Als Herausgeber firmieren weiterhin Walter Bachmann und Rolf Roosen, die redaktionelle Bearbeitung lag in den Händen von Ekkehard Ophoven. Unter den Mitarbeitern sind namhafte Autoren wie Friedrich K. von Eggeling oder Herbert Kalchreuter. Der reich bebilderte Text ist in fünf Teile gegliedert (Das Wild, Das Revier, Die Jagd, Die Jagdhunde und Die Jagdtrophäen) und jeweils thematisch in mehrere Kapitel und zahlreiche Unterkapitel aufgeteilt. Laut Eigenwerbung enthält das Buch „alles, was Jagdscheinanwärter, Jungjäger und ‚alte Hasen‘ über Wild, Hege und Jagdpraxis wissen müssen.“

Tatsächlich lässt sich im „Praxishandbuch Jagd“ unterhaltsam und gewinnbringend schmökern, auch wenn die Gewichtung der Jagdtrophäen als eigenständiger Teil etwas anachronistisch anmutet. Es ist aber ohnehin weder ein Lehrbuch zur gezielten Vorbereitung auf die Jägerprüfung noch ein „echtes“ Nachschlagewerk von A bis Z. Wer sich intensiver mit einem der vielen Themen befassen will, wird nicht umhinkommen, zur Fachliteratur zu greifen. 

Walter Bachmann und Rolf Roosen (Hrsg.): Praxishandbuch Jagd. Ein Nachschlagewerk für Jägerinnen und Jäger, erschienen 2020 im Franckh-Kosmos Verlag, 656 Seiten, 68,00 Euro

Er ist da

Im Jahr 2000 wurden auf dem Territorium der Bundesrepublik Deutschland die ersten Welpen gewölft. Bis dahin galt der Wolf hierzulande als ausgerottet, abgesehen von gelegentlichen Grenzgängern, die in aller Regel sofort zur Strecke gebracht wurden und kaum weitere Erwähnung fanden. Keine 20 Jahre später, im Monitoringjahr 2018/19, sind 105 Rudel bestätigt, dazu 25 Paare und 13 sesshafte Einzelwölfe. Als streng geschützte Art ohne natürliche Feinde vermehrt sich der Wolf exponentiell. Insofern ist der Titel ebenso einfach wie sachlich richtig: Er ist da.

Und der Titel ist Programm. Es ist Klaus Hackländers erklärter Anspruch, die mitunter erbittert geführte Debatte um das Ob und Wie der Wiederansiedlung des großen Raubtiers zu versachlichen. Der Inhaber des Lehrstuhls für Wildtierbiologie und Jagdwirtschaft an der Universität für Bodenkultur Wien schlägt sich weder auf die Seite der Wolfskuschler noch auf die der Dämonisierer. Er stellt und beantwortet insgesamt 40 Fragen, etwa „Was ist ein geeigneter Lebensraum für Wölfe?“, „Führt der Wolf zum Aussterben von Wildtierarten?“ oder „Was kostet der Wolf?“. Seine Antworten sind gut recherchiert und wissenschaftlich fundiert, aber sie werden nicht jedem schmecken.

Zum Beispiel die Antwort auf die Frage, ob die Jagd ein gutes Mittel ist, um Schäden an Nutztieren zu verhindern: Ja, lautet sie, aber nur dann, wenn sie sehr intensiv und ausdauernd betrieben werde. Die Geschichte zeige, dass Wölfe verschwinden, wo sie konsequent verfolgt werden. Aber solch eine Verfolgung sei in Europa nicht mehrheitsfähig und also keine Option. Eine selektive Einzelbejagung, wie sie beispielsweise in Slowenien praktiziert werde, bringe dagegen keine merklichen Effekte. Und diverse wissenschaftliche Untersuchungen bestätigten, dass Einzelabschüsse kein probates Mittel zum Schutz von Nutztieren seien, sondern möglicherweise die Probleme noch verschärfen könnten. 

Klaus Hackländer: Er ist da. Der Wolf kehrt zurück, erschienen 2020 im Ecowin-Verlag, 224 Seiten, 24,00 Euro

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