Ältere werden sich erinnern: Mondlicht und Sitzfleisch, das waren mal die Bedingungen erfolgreicher Bejagung der Schwarzkittel. Glücklich war, wer ein lichtstarkes Zielfernrohr sein Eigen nannte, aber notfalls ging es auch mit dem 6×42. Durch Revierkenntnis und regelmäßiges Abfährten wusste man schließlich, wo die Sauen kommen würden. Und wenn sie nicht kamen, war es dennoch schön, dank Ansitzsack, Thermosflasche und dem schnürenden Fuchs im Neuschnee.

Nachtjagd auf Sauen geht heute anders. In der kurzen Zeit, seit Restlichtverstärker und Wärmebildgeräte legal zu erwerben sind, und noch mehr, seit ihr Einsatz in den meisten Bundesländern auch erlaubt ist, haben sie die Jagd rasant verändert. Jetzt kann man den Sauen rund ums Jahr und unabhängig von Mond und Wetter nachstellen. 

Das sollte allerdings nicht zu der Fehlannahme verleiten, die Technik könne Wissen und Fähigkeiten ersetzen. Im Gegenteil: Auch diese Jagd muss man können. Das dafür nötige Grundlagenwissen vermitteln jetzt Michael Gast und Martin Balke. Sie beginnen bei den Umweltbedingungen, also Jahreszeit, Witterung und Gelände, erläutern Ausrüstung und Schießtechniken und beschreiben die verschiedenen Jagdarten. Dabei nimmt die Technik erfreulicherweise nicht den größten Raum ein, auch wenn die einzelnen Gerätetypen mit allen Stärken und Schwächen detailliert vorgestellt werden. Im Mittelpunkt des Buches steht vielmehr das praktische Jagen auf der Pirsch und beim Ansitz. 

Zu kurz kommt der problematische Aspekt: Wenn den Sauen rund ums Jahr, bei jedem Wetter und bis tief in die Einstände nachgestellt wird, hat das erhebliche Folgen für das gesamte Gefüge von Tier, Mensch und Lebensraum. Das wird im Buch nicht weiter thematisiert.

Michael Gast und Martin Balke: Nachtjagd auf Sauen. Auf der Pirsch und an der Kirrung, Kosmos Verlag 2023, 136 Seiten broschiert, 24,00 Euro