
Kein Tier richtet vorsätzlich Schaden an. Verbiss, Schäle oder Gebräch sind nur aus der Sicht des wirtschaftenden Menschen „Schäden“, an sich sind es die Spuren eines artgerechten Verhaltens. Wo sie überhandnehmen und zu „Wildschaden“ werden, sind sie Anzeiger für gestörte Lebensräume und Umweltbeziehungen. Das ist der Ausgangsgedanke dieses Buches.
„Schädliches“ Verhalten des Wildes zeigt also nur an, dass etwas nicht stimmt. Auch aus diesem Grund sorgt die Frage, ob und in welchem Ausmaß Tierspuren im konkreten Fall als ersatzpflichtiger „Wildschaden“ zu bewerten sind, regelmäßig für Konflikte zwischen denen, die Wald oder Acker bewirtschaften, und den Ersatzpflichtigen, also in der Regel den Jagdpächtern.
Der Wildbiologe und Jagdwissenschaftler Michael Petrak, langjähriger Leiter der Bonner Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadensverhütung des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, beschreibt in seinem neuen Buch die Praxisgrundlagen für eine sachliche Bewertung von Wildschäden, angefangen bei den rechtlichen Grundlagen über die Schadbilder einzelner Wildarten und die Methodik der Schadensaufnahme bis zur Schadensbewertung. Er liefert detaillierte Sachinformationen, gibt viele Beispiele – in der Regel aus Nordrhein-Westfalen, aber durchaus übertragbar – und zahlreiche nützliche Tipps. Damit lässt sich manch hitzige Diskussion auf der umgebrochenen Wiese oder in den verbissenen Jungeichen objektivieren.
Darüber hinaus enthält das Buch nützliche Kapitel zur Wildschadensverhütung und zum Umgang mit Wildtieren in urbanen Räumen sowie einen Serviceteil, in dem unter anderem Tabellen und Muster-Formulare zur Aufnahme und Anmeldung von Wildschäden zu finden sind.
Michael Petrak: Wildschäden. Schadbilder, Verursacher, Verhütung, Franckh-Kosmos Verlag 2025, 160 Seiten gebunden, 28,00 Euro
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