Wir alle haben in der Schule Charles Darwins Satz vom “Survival of the Fittest“ als Kern der Evolutionslehre gelernt. Demnach liegt dem Prozess der Evolution das Prinzip der natürlichen Auslese zugrunde, wobei sich immer die Individuen oder Spezies durchsetzen, die am besten an ihre Umwelt angepasst sind; es ist also ein Prinzip der Konkurrenz (angemerkt sei, dass „fittest“ vom englischen „to fit“ abgeleitet ist und soviel bedeutet wie „passen“ oder „angepasst sein“ – es geht hier also keinesfalls um die „Fittesten“ oder gar „Stärksten“!). 

Das ist auch nicht falsch, aber es ist nicht das einzige Prinzip. Die Wissenschaft liefert immer mehr Belege dafür, dass auch kooperative Symbiosen den Gang der Evolution bestimmen. Ja, mehr noch: Es setzt sich durch, wer am besten in der Lage ist zu kooperieren. Manche Symbiosen sind allgemein bekannt, etwa die zwischen Blühpflanzen und Bienen. Aber erst auf der Ebene der Mikroorganismen wird die Bedeutung dieser Erkenntnis klar: Denn alle Pflanzen und Tiere stehen in engen Symbiosen mit tausenden Arten von Mikroorganismen, ohne die sie nicht lebensfähig wären. Die Bedeutung der Darmbakterien für unsere Gesundheit und damit für unser (Über-)Leben als Individuen und Spezies ist hier nur ein Beispiel unter vielen.

Autor Dirk Brockmann ist Gründungsdirektor des Zentrums Synergy of Systems an der TU Dresden. Es gelingt ihm, dieses hochkomplexe Thema mit einer unterhaltsamen Leichtigkeit und Verständlichkeit zu beschreiben, wie es im deutschsprachigen Raum wirklich selten ist. 

Dirk Brockmann: Survival of the Nettest. Wie die Natur durch Kooperation unsere Welt gestaltet, dtv 2025, 287 Seiten gebunden, 24,00 Euro