
Die Jagd und ihre gesetzlichen Grundlagen geraten in Deutschland zunehmend unter Rechtfertigungsdruck und oft unter Beschuss. Bei Jagdgesetznovellen stehen häufig nicht die Anforderungen einer waidgerechten Jagd im Mittelpunkt, sondern Tier- und Naturschutzbelange beziehungsweise das, was starke Interessengruppen und unbedarfte Naturfreunde dafür halten. Da ist es gut und wichtig, wenn aus der Jägerschaft immer wieder (selbst-)kritische und sachlich fundierte Beiträge kommen, um diesem Trend entgegenzuwirken.
Jetzt hat der Düsseldorfer Rechtsprofessor Johannes Dietlein einen Band vorgelegt, der sich dieser Aufgabe stellt. Dietlein ist aktiver Jäger, Autor zahlreicher Abhandlungen zum Jagdrecht und Sachverständiger in parlamentarischen Anhörungen, war unter anderem Vorsitzender des Ausschusses für Jagd- und Forstrecht der Deutschen Gesellschaft für Agrarrecht und Mitglied des Rechtsausschusses des DJV. Ein ausgewiesener Experte also.
Sein Buch beginnt mit einer Bestandsaufnahme zur Jagd in Deutschland und beleuchtet die Geschichte der Jagd und Jagdgesetzgebung. Das erste Hauptkapitel behandelt zentrale Diskussionspunkte und Herausforderungen, beispielsweise ethische Fragen, das „süße Trugbild“ von der Selbstregulierung der Natur oder das „Reizthema Trophäenjagd“. Das zweite Hauptkapitel widmet sich den Zukunftsperspektiven, beispielsweise den Stärken und Schwächen des Revierprinzips, der Wald-und-Wild-Problematik und den Folgen der Rückkehr des Wolfs.
Man kann das Buch neben Heribert Kalchreuters „Die Sache mit der Jagd“ (in der Neubearbeitung von 2008) und Hans-Dieter Pfannenstiels „Heute noch jagen?“ (von 2017) stellen; beide Autoren haben aber einen stärker (wild-)biologischen Fokus als der Jurist Dietlein. Allein der Titel ist ein Rätsel, denn der entspricht nicht dem Tenor des Buches.
Johannes Dietlein: Jagd vorbei und halali. Das deutsche Waidwerk – ein Auslaufmodell?, Kosmos Verlag 2024, 304 Seiten gebunden, 28,00 Euro
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