Man wüsste gern, ob sich eine Übersetzung des Titels ins Deutsche verkaufsfördernd ausgewirkt hätte. Der Verlag hatte offensichtlich Bedenken und beließ es deswegen beim amerikanischen Originaltitel. Dabei hätte „Fressen – Kacken – Sterben“ sehr präzise beschrieben, worum es in diesem höchst lesenswerten Buch des Biologen, Meeresökologen und Naturschützers Joe Roman geht. Nämlich darum, wie Wildtiere die Ökosysteme gestalten und bewahren, indem sie Nährstoffe aufnehmen, verstoffwechseln und mit ihrem Kot, Urin oder Kadaver wieder in die Umwelt abgeben. 

Ein paar Beispiele: Wale fressen in der Tiefsee, befördern beim Aufsteigen Stickstoff und Phosphor an die Meeresoberfläche, wo sie koten und damit den dort lebenden Pflanzen und Tieren Nährstoffe zuführen. Insekten locken Seevögel an, die sie fressen und mit ihrem Kot Lebensgrundlagen für andere Tiere schaffen. Mehr als 100 Arten ernähren sich von Lachsen, die Jahr für Jahr zum Laichen die Flüsse Nordamerikas hochwandern, darunter Möwen und Bären, die mit ihren Hinterlassenschaften die umliegenden Wälder düngen. Und der Urin von Zikadenschwärmen kann Stickstoff im Übermaß eintragen. 

„Tiere“, heißt es an einer Stelle, „sind das schlagende Herz des Planeten.“ Das weltweite Artensterben bedeutet daher nicht nur einen Verlust an Biodiversität, sondern bedroht Ökosysteme insgesamt. So gesehen könnten wir Wildtiere als Teil unserer Nutztiere betrachten, wie Roman anmerkt. Unsere heimische Tierwelt – etwa der Rothirsch – kommt in diesem Buch nicht vor; die Erkenntnisse lassen sich aber ohne Weiteres übertragen.

Joe Roman: Eat – poop – die. Wie Tiere unsere Welt verändern, Hanser Verlag 2024, Broschur 304 Seiten, 18,00 Euro