
In Deutschland leben über 70.000 bekannte Arten und vermutlich Tausende noch unbekannte. Ein Großteil davon kriecht, fliegt oder krabbelt. Aber im Unterschied zu Wölfen, Hirschen oder uns selbst lassen wir den Kleinlebewesen weniger Aufmerksamkeit zuteil werden. Und dass, obwohl sie das „Fundament unserer Ökosysteme“ sind, wie Jasmin Schreiber es formuliert. Ohne Würmer, Spinnen, Käfer, Springschwänze, Asseln und was sonst noch so kreucht und fleucht, könnten auch wir nicht leben.
Deswegen richtet die junge Biologin, Schriftstellerin und Bloggerin in ihrem neuen Buch die Aufmerksamkeit und das Kameraobjektiv auf diese Kleinlebewesen in ihren Habitaten. Sie schaut unter Steine und hinter die Rinde toter Baumstämme, in Moose und Krautschichten, Blüten und Pfützen, Kadaver und Dunghaufen. Sie beschreibt diese Lebensräume und ihre winzigen Bewohner ebenso liebevoll wie anschaulich und erläutert nachvollziehbar auch komplexere biologische und ökologische Zusammenhänge.
An wen richtet sich dieses Buch? Einerseits pflegt die Autorin eine leichte Sprache mit direkter Ansprache, wie man es eher aus Kinderbüchern kennt: Da heißt es: „Pack vielleicht eine Lupe oder einen Fotoapparat, aber vor allem deine Neugier ein und komm mit“, oder: „Wusstest du, dass Regenwurm nicht gleich Regenwurm ist?“ Und am Ende eines traurigen Satzes steht auch schonmal ein Comic-artiges „Seufz!“ Andererseits geht sie inhaltlich sehr in die Tiefe und nutzt auch wissenschaftliche Fachbegriffe. Am ehesten ist dieses Buch wohl für Jugendliche und junge Erwachsene gedacht.
Jasmin Schreiber, Im Schatten von Giganten. Das Leben im Moos, auf Blüten und unter Steinen, 176 Seiten gebunden, Franckh-Kosmos Verlag 2025, 28,00 Euro
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