Die moderne Stadt ist nicht nur Lebensraum von Mensch, Hund und Goldhamster, sondern ein hochdifferenziertes Ökosystem. In Gärten und Parks, aber auch in Büros und Wohnungen ist die Artenvielfalt erstaunlich groß. Wo Menschen siedeln, finden auch wild lebende Tiere ihre Nischen, nicht nur mikroskopisch kleine. Allerdings sollte uns das nicht zu der Fehlannahme verleiten, dass in unseren Städten das große Artensterben kompensiert oder auch nur aufgehalten werden könnte, wie Matthias Glaubrecht in seinem Geleitwort zu diesem Buch zurecht anmerkt.

Der junge italienische Biologe und Autor Marco Granata hat urbane Feldforschung betrieben. Ein Jahr lang lebte er in einer – nicht namentlich genannten – großen Stadt und erforschte die städtische Natur und ihre Arten, angefangen bei den vielen kleinen Hausgenossen wie Schaben, Silberfischchen oder Fliegen über Vögel und Fledermäuse bis hin zu Waschbären, Rehen und Wildschweinen. Seine Mischung aus persönlichem, mitunter anekdotischem Erlebnisbericht und biologischen Beschreibungen ist durchaus unterhaltsam und informativ, zudem illustriert mit zahlreichen Abbildungen aus historischen Bestiarien und Atlanten. Granata orientiert sich ganz offensichtlich an den Klassikern des Nature Writing, worauf schon der Titel hinweist. Er erreicht aber, das sei einschränkend gesagt, nicht die sprachliche Schönheit eines David Haskell oder Robert Macfarlane.

Marco Granata: Die verborgene Tierwelt unserer Städte. Wie ich die Wildnis verließ und mich in der Stadt wiederfand, Hirzel Verlag 2025, 288 Seiten gebunden, 26,00 Euro