Gleich zwei große Fragen hat sich Halali-Autor Dieter Stahmann in seinem neuen Buch vorgenommen: Was ist Jagd und warum jagt der Mensch? Seine Gedanken entwickelt er in Auseinandersetzung mit kulturanthropologischen Positionen Helmuth Plessners, Arnold Gehlens, Ortega y Gassets und anderen. 

Demnach gebe es keinen ursprünglichen, natürlichen Jagdtrieb des Menschen, sondern zunächst nur eine Notwendigkeit, diese „für ihn eigentlich ungeeignete tierische Lebensform der Jagd“ zum Nahrungsgewinn zu nutzen. Die für die Großwildjagd notwendige Kooperation habe dann zur Erweiterung des Gehirns und damit zum Homo sapiens geführt. Und obwohl mit der neolithischen Revolution die Lebensgrundlagen landwirtschaftlich gesichert werden konnten, also ohne die mühsame und gefährliche Jagd, habe der Mensch die Jagd „als kulturelle Evolution für sich ausgebaut“, mit Leidenschaft betrieben und als „mit der Natur verbundene Lebenswelt“ erhalten. Jagd ist für Stahmann nicht nur ein traditionelles Handwerk, sondern auch ein Mythos, „gebildet aus einem emotionalen und teilweise mythischen Naturverständnis.“ Elemente dieses Mythos sieht er in der gesamten Lebenswelt der Jagd, etwa im Brauchtum oder in der Mythisierung von Wildtieren oder Wäldern.

Diplom-Volkswirt Dieter Stahmann löste seinen ersten Jagdschein 1955, ist passionierter Hundeführer, war über viele Jahre Hegeringleiter und Vorsitzender des Forums lebendige Jagdkultur. Er beschäftigt sich intensiv mit der Philosophie und Sozialgeschichte der Jagd und hat dazu eine Reihe von Büchern und zahlreiche Beiträge in Fachzeitschriften veröffentlicht, zuletzt „Das Geschenk des Prometheus“ (siehe Halali Nr. 2-2024).

Dieter Stahmann: Mythos Jagd. Was ist Jagd und warum jagt der Mensch?, NWM Verlag 2024, 76 Seiten gebunden, 19,95 Euro