Kann ein Buch über Stickstoff, Phosphor und Kalium interessant, kurzweilig und sogar spannend sein? Die Antwort ist: ja, es kann! Und das nicht nur für Landwirte. Die mehrfach ausgezeichnete Wissenschaftsjournalistin Kerstin Hoppenhaus zeigt, wie das möglich ist. Sie folgt den Spuren dieser drei Grundbausteine alles Lebens auf historischen, wirtschaftlichen und ökologischen Pfaden: vom Nährstoff zum Rohstoff zum Schadstoff zum Wertstoff. 

Stickstoff, Phosphor und Kalium sind zunächst lebensnotwendige Nährstoffe, ohne die kein Wachstum möglich wäre. Schon früh wurde ihre Eigenschaft als Dünger erkannt, wurden Ernteabfälle, Dung und Gülle auf die Äcker gebracht und stickstoffsammelnde Zwischenfrüchte angebaut. Mit dem Import von Guano und Salpeter aus Übersee und der Gewinnung von Stickstoff aus der Luft wandte sich die europäische Landwirtschaft von der Idee der Bewahrung der Bodenfruchtbarkeit durch Nährstoffkreisläufe ab und einem System zu, das auf Durchsatz und Verbrauch setzt. Aus Nährstoffen wurden weltweit gehandelte und umkämpfte Rohstoffe. Und das nicht nur für die Produktion von Lebensmitteln, sondern aufgrund ihrer explosiven Eigenschaften auch für militärische Zwecke. Unter dem zunehmenden Eintrag von Stickstoff und Phosphat leiden Böden, Luft und Wasser – aus Rohstoffen wurden Schadstoffe, die unseren Planeten massiv und auf vielerlei Art bedrohen. Aber das ist kein Automatismus: Natur und Mensch kennen Wege, diese Stoffe zu recyclen und ihren Verbrauch zu reduzieren. Dann werden aus Schadstoffen wieder Wertstoffe.

Kerstin Hoppenhaus zeigt das anhand einer Fülle von Berichten aus aller Welt, solide recherchierten Fakten und erstaunlichen Fun Facts (nicht selten allerdings auch Scare Facts), ohne sich in unleserliche Fachprosa oder moralisierende Zeigefingerheberei zu verlieren. Völlig zurecht ist das Buch nominiert für den NDR-Sachbuchpreis und den Wissenschaftsbuchpreis 2025.

Kerstin Hoppenhaus: Die Salze der Erde. Was drei chemische Elemente mit Kolonialismus, Kima und Welternährung zu tun haben, Hanser Verlag 2024, 335 Seiten gebunden, 26,00 Euro