Texter | Journalist | Schriftsteller

Monat: April 2026 (Seite 1 von 2)

Survival of the Nettest

Wir alle haben in der Schule Charles Darwins Satz vom “Survival of the Fittest“ als Kern der Evolutionslehre gelernt. Demnach liegt dem Prozess der Evolution das Prinzip der natürlichen Auslese zugrunde, wobei sich immer die Individuen oder Spezies durchsetzen, die am besten an ihre Umwelt angepasst sind; es ist also ein Prinzip der Konkurrenz (angemerkt sei, dass „fittest“ vom englischen „to fit“ abgeleitet ist und soviel bedeutet wie „passen“ oder „angepasst sein“ – es geht hier also keinesfalls um die „Fittesten“ oder gar „Stärksten“!). 

Das ist auch nicht falsch, aber es ist nicht das einzige Prinzip. Die Wissenschaft liefert immer mehr Belege dafür, dass auch kooperative Symbiosen den Gang der Evolution bestimmen. Ja, mehr noch: Es setzt sich durch, wer am besten in der Lage ist zu kooperieren. Manche Symbiosen sind allgemein bekannt, etwa die zwischen Blühpflanzen und Bienen. Aber erst auf der Ebene der Mikroorganismen wird die Bedeutung dieser Erkenntnis klar: Denn alle Pflanzen und Tiere stehen in engen Symbiosen mit tausenden Arten von Mikroorganismen, ohne die sie nicht lebensfähig wären. Die Bedeutung der Darmbakterien für unsere Gesundheit und damit für unser (Über-)Leben als Individuen und Spezies ist hier nur ein Beispiel unter vielen.

Autor Dirk Brockmann ist Gründungsdirektor des Zentrums Synergy of Systems an der TU Dresden. Es gelingt ihm, dieses hochkomplexe Thema mit einer unterhaltsamen Leichtigkeit und Verständlichkeit zu beschreiben, wie es im deutschsprachigen Raum wirklich selten ist. 

Dirk Brockmann: Survival of the Nettest. Wie die Natur durch Kooperation unsere Welt gestaltet, dtv 2025, 287 Seiten gebunden, 24,00 Euro

Auf Sauen jagen

In vielen Bücherregalen werden schon Werke zur Jagd auf Schwarzwild stehen: Briedermann, Happ, Harling, Hespeler, Pfannenstiel – die Aufzählung ließe sich leicht verlängern. Außerdem nimmt sich die Jagdpresse beständig des Themas an. Man wird also bei einem weiteren Buch keine völlig neuen Erkenntnisse erwarten können. Aber mit Konstantin Börner und Frank Rakow haben sich zwei Autoren zusammengetan, die sich fachlich gut ergänzen: Der eine befasst sich als Wildbiologe und Sachverständiger wissenschaftlich mit dem Thema, der andere ist einer der erfahrensten Jagdjournalisten des Landes. Und beide sind passionierte Praktiker.

Im ersten Teil des Buches beschreibt Börner das wildbiologische Grundwissen zum Schwarzwild, strukturiert nach den vier Jahreszeiten. Dabei liegt der Fokus auf den Konsequenzen für die Bejagung – und umgekehrt auf den Folgen der Bejagung für das Verhalten der schlauen Wildart. Thematisiert werden in diesem Zusammenhang auch „heiße Eisen“ wie Nachtzieltechnik und Bachenbejagung. „Wissen schafft Jagdkompetenz“, so die Überschrift. Im zweiten Teil liefert Rakow das nötige Praxiswissen, von der Ausrüstung über die einzelnen Jagdarten bis zur Einschätzung von Wildschäden. Er gibt auch wertvolle Tipps und erzählt kurze Anekdoten Abschließend werden Bejagungsmodelle und die Versorgung erlegter Stücke angesprochen.

Alles in allem ist das Buch wildbiologisch und jagdtechnisch auf dem aktuellen Stand und bietet einen guten Einstieg ins Thema. Allerdings bleibt es auf den nur 160 Seiten notwendigerweise in vielen Punkten beim Einstieg, zumal es auch noch reich bebildert ist. 

Konstantin Börner und Frank Rakow: Auf Sauen jagen – mit Herz und Verstand. Erfolgreiche Schwarzwildjagd dank wildbiologischem Know-how, Franckh-Kosmos Verlag 2025, 160 Seiten gebunden, 28,00 Euro

Im Schatten von Giganten

In Deutschland leben über 70.000 bekannte Arten und vermutlich Tausende noch unbekannte. Ein Großteil davon kriecht, fliegt oder krabbelt. Aber im Unterschied zu Wölfen, Hirschen oder uns selbst lassen wir den Kleinlebewesen weniger Aufmerksamkeit zuteil werden. Und dass, obwohl sie das „Fundament unserer Ökosysteme“ sind, wie Jasmin Schreiber es formuliert. Ohne Würmer, Spinnen, Käfer, Springschwänze, Asseln und was sonst noch so kreucht und fleucht, könnten auch wir nicht leben.

Deswegen richtet die junge Biologin, Schriftstellerin und Bloggerin in ihrem neuen Buch die Aufmerksamkeit und das Kameraobjektiv auf diese Kleinlebewesen in ihren Habitaten. Sie schaut unter Steine und hinter die Rinde toter Baumstämme, in Moose und Krautschichten, Blüten und Pfützen, Kadaver und Dunghaufen. Sie beschreibt diese Lebensräume und ihre winzigen Bewohner ebenso liebevoll wie anschaulich und erläutert nachvollziehbar auch komplexere biologische und ökologische Zusammenhänge.

An wen richtet sich dieses Buch? Einerseits pflegt die Autorin eine leichte Sprache mit direkter Ansprache, wie man es eher aus Kinderbüchern kennt: Da heißt es: „Pack vielleicht eine Lupe oder einen Fotoapparat, aber vor allem deine Neugier ein und komm mit“, oder: „Wusstest du, dass Regenwurm nicht gleich Regenwurm ist?“ Und am Ende eines traurigen Satzes steht auch schonmal ein Comic-artiges „Seufz!“ Andererseits geht sie inhaltlich sehr in die Tiefe und nutzt auch wissenschaftliche Fachbegriffe. Am ehesten ist dieses Buch wohl für Jugendliche und junge Erwachsene gedacht.

Jasmin Schreiber, Im Schatten von Giganten. Das Leben im Moos, auf Blüten und unter Steinen, 176 Seiten gebunden, Franckh-Kosmos Verlag 2025, 28,00 Euro

Bäume

Bäume sind überall und allgegenwärtig. In Wäldern und Feldgehölzen, in Parks und auf Friedhöfen, als Straßenbäume oder Solitäre. Sie produzieren unseren Sauerstoff, filtern Luft und Wasser, spenden Schatten und Ruhe, sind Lebensräume zahlreicher Arten, liefern Brennstoff und Baumaterial. Bäume sind Lebewesen. In allen Kulturen und Mythologien spielen Bäume wichtige Rollen, kaum jemand wird sagen, er möge keine Bäume. 

Aber das Wissen über Bäume ist oft begrenzt. Studien zufolge können immer mehr Menschen nicht einmal die einzelnen Baumarten unterscheiden. Vielleicht muss man das zum achtsamen Waldbaden auch nicht können; aber die allgemeine Unbedarftheit führt auch dazu, dass esoterische Bücher zu Spiegel-Bestsellern werden und sich viel Fabelhaftes anstelle von Wissen verbreitet.

Dem kann ein Buch wie das hier angezeigte entgegenwirken: 222 Fragen rund um Bäume (vorwiegend solche der gemäßigten Klimazonen) sind darin versammelt, etwa „Was unterscheidet den Baum vom Strauch?“, „Welches Geschlecht haben Bäume?“ oder „Seit wann gibt es Weihnachtsbäume?“ Manche Fragen beziehen sich auf Grundsätzliches, andere gehen weit in die Tiefe. Die Antworten stammen von Herausgeber Eike Jablonski und acht weiteren Autoren, die allesamt ausgewiesene Fachleute mit akademischem Hintergrund und Praxiserfahrung sind. Das sichert eine fachlich hohe Qualität, wobei die Texte nie akademisch trocken, sondern durchgängig gut lesbar und informativ bebildert sind. Es ist kein Kinder- oder Jugendbuch. 

Eike Jablonski (Hrsg.): Bäume. Was sie schon immer fragen wollten, Quelle & Meyer Verlag 2025, 296 Seiten gebunden, 24,95 Euro

Erlegen – Versorgen – Vermarkten

Holla_die_Wildfee nennt sich Isabelle Bulling in ihren Social Media-Kanälen und bedient auf Tiktok, Instagram & Co. jeweils einige Tausend Follower mit Beiträgen rund um die Gewinnung und Verwertung von Wildbret. Der Name zeugt nicht nur vom Humor der jungen Jägerin, studierten Agrarwissenschaftlerin und Fleischermeisterin, sondern auch von einem guten Sinn für (Selbst-)Vermarktung. Dem ist auch das Schlusskapitel ihres Buches „Erlegen – Versorgen – Vermarkten“ gewidmet. 

Zunächst stellt die Autorin den engen rechtlichen Rahmen dar, in dem wir Jägerinnen und Jäger uns bewegen, wenn wir Wildbret an Wildhändler, Gastronomie oder Endverbraucher abgeben. Die Grundzüge sollten noch aus der Jägerprüfung bekannt sein; allerdings geht Bulling tiefer in die Details, weist auf Änderungen in den letzten Jahren hin und gibt einige systematische Übersichten, die sich auch als Checklisten nutzen lassen. Auch Fragen zur Etikettierung oder zur Produkthaftung werden beantwortet.

In den weiteren Hauptkapiteln befasst sie sich mit der Gewinnung des Wildbrets auf der Jagd, von der waidgerechten Erlegung bis zum Erkennen bedenklicher Merkmale, und mit den Eigenschaften des Fleischs der unterschiedlichen (heimischen) Wildtiere: Wie ist Muskelfleisch aufgebaut? Was hat Einfluss auf den Geschmack? Wie zerteilt man eine Keule und wie lassen sich die Teile verwenden? Hier kann die Fleischermeisterin natürlich punkten.

Das Buch liefert alles in allem kein neues Wissen, fasst aber alles Wissenswerte zum Thema kompakt und aktuell zusammen. Rund 160 Farbfotos aus Bilddatenbanken lockern das Layout auf. 

Isabelle Bulling: Erlegen – Versorgen – Vermarkten. Vom Jagdrevier bis zur Kundschaft, Franckh-Kosmos Verlag 2025, 152 Seiten gebunden, 30,00 Euro

Wildschäden

Kein Tier richtet vorsätzlich Schaden an. Verbiss, Schäle oder Gebräch sind nur aus der Sicht des wirtschaftenden Menschen „Schäden“, an sich sind es die Spuren eines artgerechten Verhaltens. Wo sie überhandnehmen und zu „Wildschaden“ werden, sind sie Anzeiger für gestörte Lebensräume und Umweltbeziehungen. Das ist der Ausgangsgedanke dieses Buches.

„Schädliches“ Verhalten des Wildes zeigt also nur an, dass etwas nicht stimmt. Auch aus diesem Grund sorgt die Frage, ob und in welchem Ausmaß Tierspuren im konkreten Fall als ersatzpflichtiger „Wildschaden“ zu bewerten sind, regelmäßig für Konflikte zwischen denen, die Wald oder Acker bewirtschaften, und den Ersatzpflichtigen, also in der Regel den Jagdpächtern. 

Der Wildbiologe und Jagdwissenschaftler Michael Petrak, langjähriger Leiter der Bonner Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadensverhütung des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, beschreibt in seinem neuen Buch die Praxisgrundlagen für eine sachliche Bewertung von Wildschäden, angefangen bei den rechtlichen Grundlagen über die Schadbilder einzelner Wildarten und die Methodik der Schadensaufnahme bis zur Schadensbewertung. Er liefert detaillierte Sachinformationen, gibt viele Beispiele – in der Regel aus Nordrhein-Westfalen, aber durchaus übertragbar – und zahlreiche nützliche Tipps. Damit lässt sich manch hitzige Diskussion auf der umgebrochenen Wiese oder in den verbissenen Jungeichen objektivieren.

Darüber hinaus enthält das Buch nützliche Kapitel zur Wildschadensverhütung und zum Umgang mit Wildtieren in urbanen Räumen sowie einen Serviceteil, in dem unter anderem Tabellen und Muster-Formulare zur Aufnahme und Anmeldung von Wildschäden zu finden sind.

Michael Petrak: Wildschäden. Schadbilder, Verursacher, Verhütung, Franckh-Kosmos Verlag 2025, 160 Seiten gebunden, 28,00 Euro

Die verborgene Tierwelt unserer Städte

Die moderne Stadt ist nicht nur Lebensraum von Mensch, Hund und Goldhamster, sondern ein hochdifferenziertes Ökosystem. In Gärten und Parks, aber auch in Büros und Wohnungen ist die Artenvielfalt erstaunlich groß. Wo Menschen siedeln, finden auch wild lebende Tiere ihre Nischen, nicht nur mikroskopisch kleine. Allerdings sollte uns das nicht zu der Fehlannahme verleiten, dass in unseren Städten das große Artensterben kompensiert oder auch nur aufgehalten werden könnte, wie Matthias Glaubrecht in seinem Geleitwort zu diesem Buch zurecht anmerkt.

Der junge italienische Biologe und Autor Marco Granata hat urbane Feldforschung betrieben. Ein Jahr lang lebte er in einer – nicht namentlich genannten – großen Stadt und erforschte die städtische Natur und ihre Arten, angefangen bei den vielen kleinen Hausgenossen wie Schaben, Silberfischchen oder Fliegen über Vögel und Fledermäuse bis hin zu Waschbären, Rehen und Wildschweinen. Seine Mischung aus persönlichem, mitunter anekdotischem Erlebnisbericht und biologischen Beschreibungen ist durchaus unterhaltsam und informativ, zudem illustriert mit zahlreichen Abbildungen aus historischen Bestiarien und Atlanten. Granata orientiert sich ganz offensichtlich an den Klassikern des Nature Writing, worauf schon der Titel hinweist. Er erreicht aber, das sei einschränkend gesagt, nicht die sprachliche Schönheit eines David Haskell oder Robert Macfarlane.

Marco Granata: Die verborgene Tierwelt unserer Städte. Wie ich die Wildnis verließ und mich in der Stadt wiederfand, Hirzel Verlag 2025, 288 Seiten gebunden, 26,00 Euro

Mythos Jagd

Gleich zwei große Fragen hat sich Halali-Autor Dieter Stahmann in seinem neuen Buch vorgenommen: Was ist Jagd und warum jagt der Mensch? Seine Gedanken entwickelt er in Auseinandersetzung mit kulturanthropologischen Positionen Helmuth Plessners, Arnold Gehlens, Ortega y Gassets und anderen. 

Demnach gebe es keinen ursprünglichen, natürlichen Jagdtrieb des Menschen, sondern zunächst nur eine Notwendigkeit, diese „für ihn eigentlich ungeeignete tierische Lebensform der Jagd“ zum Nahrungsgewinn zu nutzen. Die für die Großwildjagd notwendige Kooperation habe dann zur Erweiterung des Gehirns und damit zum Homo sapiens geführt. Und obwohl mit der neolithischen Revolution die Lebensgrundlagen landwirtschaftlich gesichert werden konnten, also ohne die mühsame und gefährliche Jagd, habe der Mensch die Jagd „als kulturelle Evolution für sich ausgebaut“, mit Leidenschaft betrieben und als „mit der Natur verbundene Lebenswelt“ erhalten. Jagd ist für Stahmann nicht nur ein traditionelles Handwerk, sondern auch ein Mythos, „gebildet aus einem emotionalen und teilweise mythischen Naturverständnis.“ Elemente dieses Mythos sieht er in der gesamten Lebenswelt der Jagd, etwa im Brauchtum oder in der Mythisierung von Wildtieren oder Wäldern.

Diplom-Volkswirt Dieter Stahmann löste seinen ersten Jagdschein 1955, ist passionierter Hundeführer, war über viele Jahre Hegeringleiter und Vorsitzender des Forums lebendige Jagdkultur. Er beschäftigt sich intensiv mit der Philosophie und Sozialgeschichte der Jagd und hat dazu eine Reihe von Büchern und zahlreiche Beiträge in Fachzeitschriften veröffentlicht, zuletzt „Das Geschenk des Prometheus“ (siehe Halali Nr. 2-2024).

Dieter Stahmann: Mythos Jagd. Was ist Jagd und warum jagt der Mensch?, NWM Verlag 2024, 76 Seiten gebunden, 19,95 Euro

Der perfekte Büchsenschuss

Dass man schießen am besten auf dem Schießstand oder im Schießkino lernt, ist keine neue Erkenntnis. Lehr- und Sachbücher nehmen einem das Üben und Trainieren nicht ab. Gleichwohl sollte sich jeder, der auf schmerzempfindliche Wirbeltiere schießt, auch intensiv mit den theoretischen Grundlagen des Schießens befassen, idealerweise über die in der Jägerausbildung vermittelten hinaus. Darum geht es in einem neuen, kompakten Praxishandbuch im Kosmos-Verlag. Es soll Praxiswissen für das Büchsenschießen auf Distanzen von 100 bis 300 Meter vermitteln und den dynamischen Büchsenschuss erklären.

Die Autoren Michael Gast und Sven Stollenwerk waren Schießausbilder für verschiedene Waffensysteme bei der Bundeswehr und bilden heute im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit Jäger und Sportschützen aus. Ihr Buch beginnt mit einer Einführung in die Grundlagen des Schießtrainings und Schießens. Es geht darin um grundlegende Kriterien für einen (ziel-)sicheren Schuss, effizientes „Trockentraining“ ohne Munition und die Psychologie des Büchsenschusses. Gemeint sind psychische und charakterliche Voraussetzungen, denn der Grund für Fehlschüsse sei häufig eine falsche mentale Haltung. „Probleme beim Schuss liegen meisten im Kopf“, schreiben die Autoren.

Die Ausrüstung für den Büchsenschuss wird erfreulicherweise vergleichsweise kurz und mit einem Schwerpunkt auf Grundlagen der Zieloptik abgehandelt. Die Hauptteile des Buches befassen sich dann mit dem präzisen Büchsenschuss auf 100 Meter (Pirsch und Ansitz), dem dynamischen Schuss (Drückjagd) und dem Schuss auf größere Distanzen (Berg- und Feldjagd). Wer die Kosmos-Plus-App installiert hat, kann darüber auf digitale Zusatzinhalte zugreifen, beispielsweise auf Filme zur Vertiefung einzelner Themen und Aspekte.

Michael Gast und Sven Stollenwerk: Der perfekte Büchsenschuss – ein Praxishandbuch, Franckh-Kosmos Verlag, 152 Seiten gebunden, 28,00 Euro

Im Hier und Jetzt

Unter den zeitgenössischen Jagdmalern und -schriftstellern ist der Arzt Dr. Jörg Mangold längst eine feste Größe. Seine Bilder und Texte erscheinen in namhaften Zeitschriften (darunter auch Halali), als Künstler ist er in Gruppen- und Einzelausstellungen vertreten, der Handel listet unter seinem Namen eine bemerkenswerte Reihe von Publikationen. Für seine Verdienste um die Jagdkultur wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Neben dem hier vorgestellten Buch ist bei Kosmos zuletzt auch ein großformatiger Kalender für 2025 erschienen, mit stimmungsvollen Aquarellen, die Eindrücke von Pirschgängen festhalten.

„Im Hier und Jetzt“ versammelt rund 60 mit Bildern des Autors illustrierte Texte. Das sind keine typischen Jagderzählungen, es geht also nicht zuvorderst um die Tücken der Jagd, die List des Waidmanns oder die Freude der Erlegung. Es sind vielmehr kurze, flüssig und unterhaltsam erzählte, mitunter anekdotische Geschichten und Erinnerungen aus einem langen Jägerleben. Mangold greift so unterschiedliche Themen wie Hirschbrunft, Bergjagd, Vogelstimmen, Trophäen, Herbstgedichte oder Borkenkäfer auf, aber auch die Ratte im Schlafzimmer oder eine Diskussion über Mäuseköder unter Kundinnen einer Metzgerei kommen vor.

Meist bleibt es nicht bei der Erzählung. Die dient dem Autor oft nur als Aufhänger für Gedanken und Reflexionen, die über den Tag hinaus tragen. Denn Jörg Mangold ist ein „Mann vom alten Schlag“, so wird im Vorwort gesagt, einer, dem das Einfühlen in die Natur und der Respekt gegenüber allen Mitgeschöpfen viel wichtiger ist als das Beutemachen. Aus dieser Grundhaltung erwächst seine Kritik an moderner Schnelllebigkeit, Technikverliebtheit und Naturvergessenheit. So sind manche dieser Gedanken und Erinnerungen mit deutlichem Augenzwinkern erzählt, andere auch mit erhobenem Zeigefinger.

Jörg Mangold: Im Hier und Jetzt. Gedanken und Erinnerungen eines Jägers, Kosmos-Verlag 2024, 199 Seiten gebunden, 36,00 Euro

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